Wer fremde E-Mails im Unternehmen liest, kann fristlos gekündigt werden – selbst als Systemadministrator

Mitarbeiter der IT-Abteilung eines Unternehmens, insbesondere der Systemadministrator, sollten sich künftig immer fragen, ob sie fremde E-Mails – also Nachrichten anderer Mitarbeiter des Unternehmens – öffnen dürfen. Denn das LAG München hat im Jahr 2009 unter dem Aktenzeichen 11 Sa 54/09 (siehe Link 1) ein richtingsweisendes Urteil gefällt, das die fristlose Kündigung eines Systemadministrators bestätigte.

Was war geschehen? Ein Systemadministrator hatte während des Urlaubs eines der beiden Geschäftsführers dessen Mails geöffnet und ausgedruckt, um sie dem zweiten Geschäftsführer vorzulegen. Dabei legte er dem zweiten Geschäftsführer auch eine Nachricht vor, die an ein Konkurrenzunternehmen gesendet war.Daraufhin wurde der Systemadminsitrator fristlos gekündigt, wogegen er Klage erhob.

Der Kläger berief sich darauf, zu seinen Aufgaben habe es auch gehört, Nachrichten des in Urlaub befindlichen Geschäftsführers zu prüfen, zu drucken und vorzulegen. Die angebliche Mail an das Konkurrenzunternhmen sei im Posteingang von Outlook gewesen.

Demgegenüber war schnell klar, dass der Kläger auch unberechtigt den Ordner „Gesendete Objekte“ geöffnet haben musste, um die entsprechende Nachricht lesen zu können. Hinzu kam, dass nachgewiesen wurde, dass dies über den „Web Access“ erfolgt war – und allein die IT hat hier zusätzlichen Zugriff auf Outlook-Konten.

Das LAG wies die Klage ab und bestätigte die fristlose Kündigung, da der Systemadministrator seine Zugriffsrechte missbraucht und sich so unzulässig Einblick in vertrauliche Daten verschafft hatte. Damit habe er gegen seine arbeitsvertraglichen Pflichten so schwerwiegend verstoßen, dass die frsitlose Kündigung berechtigt sei.

Es bleiben ein paar offene Fragen, mit denen sich die Mitarbeiter der IT auch nach diesem Urteil beschäftigen müssen – vor allem, wenn es wie in vielen Betrieben keine ausdrückliche Regelung zur Trennung von privaten und betrieblichen Mails gibt:

  1. Wie sieht es aus, wenn ein Mitarbeiter langfristig in Urlaub geht und der IT die Genehmigung gibt, die Mails zu lesen? Gilt das nur für eingehende Mails? Gilt das auch für zuvor gesendete Mails?
  2. Wie werden Mails etwa von freigestellten Mitarbeitern behandelt? Die gehören ja offiziell noch zum Unternehmen, sind aber nicht mehr anwesend?

IT-Mitarbeiter mit Zugriff auf Postfächer müssen also anhand des Urteils des LAG München sehr vorsichtig mit E-Mail-Postfächern anderer umgehen…

Link 1: Das Urteil des LAG München als PDF

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Elmar FriebeDas ist ein Beitrag von: Elmar Friebe

Ausgebildet als Lehrer mit Zweitem Staatsexamen war ich in den 80er-Jahren von einem bundesweiten Einstellungsstopp betroffen. So landete ich Ende der 80-Jahre bei einem Computer-Magazin und bin seitdem als IT-Journalist tätig - und bereue es in keinster Weise. Dieser Blog ist eine rein private Webseite - und ich freue mich immer über interessante, positive oder kritische Kommentare zu den Beiträgen. Zu finden bin ich auch bei Google+ und bei Facebook.

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