Tom Clancy: Dead or alive

Tom Clancy: Dead or alive

Tom Clancy: Dead or alive

7.1.2013: Selten fiel es mir so schwer, eine kurze Rezension eines jüngst gelesenen Buches zu schreiben – kein Wunder, an den rund 1040 Seiten des bei Heyne erschienenen Taschenbuch habe ich mehr als zwei Monate gelesen – früher habe ich gleich dicke Bücher von Clancy in wenigen Tagen verschlungen. Die lange Lesens- und Leidenszeit führte dazu, dass ich sehr vieles von den ersten Seiten längst wieder vergessen hatte, wenn ich mich dazu zwang, das Buch weiterzulesen. Ich denke, nun ist bereits klar, was ich von dem Buch halte: nichts. Es ist ekelhaft. Aber auch wirklich gar nichts. Und nun hat sich das Thema Clancy für mich auch endgültig erledigt.

Schon der Start – sprich der Umschlagtext – passt zum völlig konfusen und sogar gefährlichen Inhalt des Buchs: Da steht auf der Heyne-Ausgabe hinten auf meiner Ausgabe: „Tom Clancy stellt seinen neuen Helden vor: Ex-Navy-SEAL Max Moore. Und der steht allein – gegen alle Feinde.“ Toll, nur gibt es im ganzen Buch keinen Max Moore. Der steht wohl so allein, dass Clancy – oder Heyne – ihn völlig vergessen haben für das Buch …

Die Handlung ist in ein, zwei Sätzen zusammengefasst: Der weltweit gesuchte Terroristen-Anführer, der sich Emir nennt, plant Anschläge. Der „Campus“ – im Grunde eine inoffizielle und illegale Antiterroreinheit mit der Lizenz zum Töten – sucht ihn, findet ihn, foltert ihn. Das entscheidende Attentat wird verhindert.

Gut, Clancy – oder wer immer auch dieses Werk verbrochen hat, das mit dem bisherigen „Universum“ rund um Jack Ryan absolut gar nichts mehr zu tun hat, abgesehen von ein paar Mitgliedern des Campus, schafft es immerhin, rund 1000 Seiten um diese „Story“ zu basteln, die so langweilig sind, dass ich einfach immer wieder Pause einlegen und etwas anderes lesen musste zwischendurch.

Nachdem schon „Im Auge des Tigers“ ein völlig schwachsinniges Pathos im Stile: „Töten ist gut, Hauptsache es geschieht im Namen der USA“ vermittelte (man lese nur mal die zugehörigen Kommentare auf Amazon!), führt „Dead or alive“ das noch weiter – Schlafende werden kaltblütig ermordet – macht ja nichts, deren Pech, Menschen werden auf grauenhafteste Weise gefoltert – und der der Autor rechtfertigt das ganz im Stil rechtspopulistischer Stömungen der USA. Kein Wunder, dass Folter von amerikanischer Seite immer wieder vorkommt, man denke nur an Waterboarding und viele weitere Vorfälle in Guantanamo oder im Irak. Kein Wunder, soll Clancy doch sogar Berater der US-Regierung gewesen sein nach den Vorfällen des 11. September. Und Clancy greift ja insbesondere in „Im Auge des Tigers“ so manche dumme Aussagen des noch schlimmeren Donald Rumsfeld auf.

Von zehn möglichen Punkten vergebe ich null Punkte – und selbst das ist noch zu viel angesichts des Ekelgefühls, das ich bei der Folterbeschreibung gegen Ende hatte…

 

Diese Beiträge passen zum Thema und könnten auch interessant sein:

Elmar FriebeDas ist ein Beitrag von:

  • Website:


HINWEIS: Die Datenschutzerklaerung habe ich gelesen und akzeptiert, wenn ich einen Kommentar schreibe.

Da ich derzeit sehr viele Spam-Kommentare erhalte, kommen alle Kommentare nun zuerst in die Moderation. Es kann also ein wenig dauern, bis ein neuer Kommentar sichtbar wird.

Eventuell zweimal auf Absenden klicken zum Abgeben des Kommentars. Warum das notwendig ist, habe ich noch nicht herausgefunden ...

Hinterlasse einen Kommentar

Du musst zum Kommentieren angemeldet sein.