HD-Fernsehen der privaten Sender startet im November

Auf der Homepage von HD-plus.de kann man es nachlesen: Ab 1.  November wird es über Satellit (Astra) die beiden ersten HD-Kanäle der privaten Sender geben: RTL-HD und Vox-HD. Im Januar sollen auch Sat1, Kabel 1 und Pro 7 mit einem HD-Angebot hinzukommen. Die dafür geeigneten Receiver sollen zeitgleich im Handel sein, erkennbar an einem „HD+“-Logo (interessanterweise ist der geplante Link auf der Homepage heute noch inaktiv…). Im ersten Jahr soll die entsprechende HD+-Karte kostenlos sein, danach werden 50 Euro (pro Jahr, also nur etwas mehr als 4 Euro pro Monat) verlangt, mit der die Karte aufgeladen wird (ansonsten kann die Karte das dann verschüsselte Programm nicht mehr empfangen, nur die unverschlüsselten Programme sind dann noch möglich).

Gut, wer einen HD-Fernseher hat, will vermutlich auch HD-Fernsehen anschauen. Allerdings ist fraglich, ob wirklich alle Zuschauer da mitspielen. Zum einen gibt es jetzt schon viel Verwirrung um das so genannte „CI+“-Modul, das bei manchen HD-Fernsehern nicht vorhanden ist und auch nicht nachgerüstet werden kann. Ausweg ist dann nur ein zuätzlicher Receiver. Einen Artikel zu dem Thema hab ich ja schon früher mal geschrieben.

Zum anderen gibt ein Interview zu denken, das das Digitalmagazin im Gespräch mit Andre Prahl, Mitglied der Geschäftsleitung CBC und verantwortlich für die Programmverbreitung der Mediengruppe RTL Deutschland, am 16.10. geführt hat und hier nachzulesen ist. Denn da wird jetzt schon klar, dass die privaten Sender alles technisch Machbare einsetzen werden, den Zuschauer zum Zwangswerbezuschauer zu verdammen. Sendung aufnehmen und Werbung überspringen? Keine Chance, Werbung schneiden: Soll danach auch unmöglich werden.

Und da wird so ganz nebenbei im Interview auch schon über Mängel bei „CI+“ nachgedacht und über eine Funktionserweiterung – was vermutlich wieder in neue Technik, neue Receiver und neue Kosten hinauslaufen wird. Die gesamte HDTV-Welt scheint in der Hinsicht wohl gerade erst am Anfang zu stehen, wer sich zu früh für eine Technik entscheidet, scheint mal wieder einiges an Geld in den Sand zu setzen.

Ob sich die Pläne des Privatfernsehens angesichts der geplanten Zwangsmaßnahmen (auch wenn sich die Sender über Werbung finanzieren, rechtfertig das für mich in keinster Weise eine solch radikale  Bevormundung!) wirklich durchsetzen werden, halte ich für fraglich. Schon jetzt werden doch gerade längere Werbepausen zum Zappen oder für andere unentbehrliche Tätigkeiten genutzt. Und HD lässt sich auch heute schon zum Beispiel mit BluRay wiedergeben – ohne Werbung. Da mag eine Serie wie aktuell etwa „CSI: New York“ auch noch so interessant sein, dann warte ich eben, bis ich die entsprechende Staffel auf Datenträger bekomme. Das ist schon heute etwa bei 24 (Twenty Four) der Fall, denn ich hasse es, die Fortsetzung erst eine Woche später anschauen zu können. Lieber verzichte ich auf die TV-Übertragung und kann dann zum Beispiel am Wochenende so viele Folgen nacheinander anschauen, wie ich es will – nicht wie die Sender es wollen.

Nicht alle Neuerungen, die technisch vielleicht besser sind, führen wirklich zum Erfolg (das beste Beispiel ist für mich nach wie vor das VHS-System bei Videorekordern, das qualitativ schlechter war als die Konkurrenz und sich dennoch durchgesetzt hat). Auch DVB-T mag ja gut sein, aber wenn mir dabei Sender wie DSF fehlen, die ich vorher in der Programmliste hatte, dann verzichte ich dankend auf DVB-T und suche eine andere Lösung, selbst wenn die weiterhin analog ist. Allenfalls als schlechter Ersatz, falls es mal Kabelstörungen gibt, kommt DVB-T für mich in Frage (das war aber noch nie der Fall).

Wer technisch immer auf dem neuesten Stand sein will, der mag und soll all das auch mitmachen – und die Preise pro Jahr oder Monat sind nun wirklich nicht so hoch, dass die ein entscheidendes Kriterium für oder gegen HD-Angebote liefern. Mich ärgern einfach die Maßnahmen, die das alles begleiten.

Irgendwann wird es noch dazu kommen, dass jeder Fernsehsessel mit dem Sender verbunden ist und sich Fesseln genau dann aus dem Sessel um den Zuschauer legen, wenn er Werbung missachten will, etwa weil er den Fernseher ausschalten will…

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Elmar FriebeDas ist ein Beitrag von: Elmar Friebe

Ausgebildet als Lehrer mit Zweitem Staatsexamen war ich in den 80er-Jahren von einem bundesweiten Einstellungsstopp betroffen. So landete ich Ende der 80-Jahre bei einem Computer-Magazin und bin seitdem als IT-Journalist tätig - und bereue es in keinster Weise. Dieser Blog ist eine rein private Webseite - und ich freue mich immer über interessante, positive oder kritische Kommentare zu den Beiträgen. Zu finden bin ich auch bei Google+ und bei Facebook.

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