Zweifel an Verivox wachsen: Wie seriös sind Vergleichsportale?

16.9.2011: Das Internet bietet nicht die ultimative Wahrheit. Das sollte zwar jedem klar sein, wird aber oft vergessen. Vor allem dann, wenn es ums Geld geht. Genauer um möglicherweise zu sparendes Geld. Denn dieses Ziel lockt viele Menschen auf Vergleichsportale wie Verivox. Das bezeichnet sich – nachgelesen gerade eben auf der Startseite von Verivox, wie der Screen zeigt – als „unabhängiges Verbraucherportal“. Doch gerade zum Thema Unabhängigkeit bestehen, so ein aktueller Bericht der Süddeutschen, derzeit ein paar Zweifel im Hinblick auf die Teldafax-Pleite. Dabei sollte jedem logisch denkenden Menschen klar sein, dass sich solche Portale finanzieren müssen – etwa durch Provisionen von Gesellschaften. Logische Folge: Wer keine Provision zahlt, wird kaum auf einem solchen Portal erscheinen oder dort empfohlen. Das ist an sich nichts Schlimmes – wenn es denn jedem Nutzer klar wäre – und vor allem, wenn es offen kommuniziert würde.

Doch gerade an letzterem hapert es, und so fallen erste Schatten auf die Seriösität von Vergleichs- oder Verbraucherportalen. Ich rate seit langem, sich nicht nur auf ein einziges Portal zu  verlassen, ob es nun um Strom, Gas, Telekommunikation, Versicherungen oder was auch immer geht. Auch wenn zwei Portale dieselben Ergebnisse liefern, heißt das möglicherweise nur, dass entsprechende Verträge vorhanden sind. So kann denn schon mal ein Portal wie Check24.de beim Vergleich von Autoversicherungen den einen oder anderen Anbieter schlicht „vergessen“, weil der keine Provisionen zahlen will.

Wie gesagt, dass sollte bei etwas gesundem Menschenverstand eigentlich klar sein. Große Vergleichsportale arbeiten längst nicht mehr aus selbstlosen Idealen, sondern wollen Geld verdienen. Oder – und das ist mir persönlich ein ganz großer Dorn im Auge – wollen zusätzliche persönlichen Daten abgreifen. Denn warum sollte ich, um einen Vergleich zu starten, meine Daten wie Namen oder Anschrift vor dem Vergleich eintragen? Wer auf solche Portale stößt: Besser sofort die Seite verlassen. Denn eines ist doch klar: Persönliche Daten sind längst ein Wirtschaftsfaktor – man suche nur mal im Web nach dem Thema Adressenverkauf. Da passt eine Meldung ins Bild, dass der EC-Kartennetzbetreiber Easycash angeblich plante, Risikoprofile der Konten von Millionen Verbrauchern zu verkaufen, wie unter anderm beim Stern nachzulesen ist. Verkaufen ist das Stichwort…

Aber:

Da redet man auf der einen Seite vom angeblich mündigen Bürger, der sich selbst informiert – und gleichzeitig so wenig mündig ist, dass er nicht wirklich vergleicht, sondern nur noch an der erstbesten Stelle vergleichen lässt. Kommt es dann zu einer Pleite, wird natürlich über das Portal gemeckert – was sicher nicht unberechtigt ist -, aber wer blind vertraut, hat eben seine Mündigkeit nicht gerade unter Beweis gestellt. Wer schon das Internet nutzt, sollte es auch wirklich konsequent nutzen…

Wenn es ums Geld geht, scheint eben manchmal der gesunde Menschenverstand mal verloren gegangen zu sein…

Ach ja, ein kleiner ironischer Nachtrag: Die Süddeutsche schreibt am Ende ihres Berichts (ich zitiere): „sueddeutsche.de hat einzelne Informationsdienste von Verivox in sein Angebot eingebunden. Dies beeinflusst nicht die Berichterstattung über die Vorwürfe gegen das Unternehmen.“

Daher auch mein Abschlusshinweis: Ich habe keinerlei Informationsdienste von Verivox auf meinen Seiten eingebunden (obwohl es durchaus Anfragen gabm etwa zum Thema private Krankenversicherungen) – und insofern beeinflussen mich Verovox & Co. wirklich nicht….

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Elmar FriebeDas ist ein Beitrag von: Elmar Friebe

Ausgebildet als Lehrer mit Zweitem Staatsexamen war ich in den 80er-Jahren von einem bundesweiten Einstellungsstopp betroffen. So landete ich Ende der 80-Jahre bei einem Computer-Magazin und bin seitdem als IT-Journalist tätig - und bereue es in keinster Weise. Dieser Blog ist eine rein private Webseite - und ich freue mich immer über interessante, positive oder kritische Kommentare zu den Beiträgen. Zu finden bin ich auch bei Google+ und bei Facebook.

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