Wurde Israel Spielball der Radikalen – oder ist Israel selbst ein radikaler Spielball?

Als heute morgen die Meldung im TV kam, dass Israel einen Waffeneinsatz gegen eine Schiffsflotte mit Hilfsgütern für Gaza militärisch angegriffen hat und dabei wohl mindestens zehn Tote zu beklagen seien, hat auch bei mir erst einmal für ein riesiges Gefühl an Empörung geführt. Doch oft ist es sinnvoll, erst einmal ein paar Fakten zu sammeln, bevor man seiner Empörung freien Lauf äußert. Daher habe ich einfach mal zusammengetragen, was bisher wohl von dem blutigen Militäreinsatz bekannt wurde oder – besser: – bekannt zu sein scheint.

Die „Flotte“, die da heute vom israelischen Militär mit Spezialkommandos aufgebracht wurden, bestand wohl aus sechs Schiffe, davon drei mit Hilfsgütern für Gaza beladen, drei Schiffe voll mit Passagieren, die unterschiedlichsten Aktivistenkreisen zuzuordnen sind, etwa der der radikal-islamistischen IHH, einer Organisation aus der Türkei, die sich zum einen zwar huinmanitären Zielen verschrieben haben will, aber auch für extremistische Unterstützung seit langem bekannt ist.Auch ein paar Deutsche sollen an Bord der Flotte gewesen sein, ebenso angeblich der schwedische Autor Henning Mankell.

Fakt scheint auch zu sein, dass es lediglich auf einem Schiff, der türkischen „Mavi Marmara“, zu Kämpfen kam. Berichte, dass es zu Angriffen mit Äxten auf die Soldaten, die per Schnellboot und per Hubschrauber die Schiffe enterten, kam, scheinen bestätigt zu sein.Darauf haben die Soldaten scharf geschossen.

Zusammengestellt hat die Flotte wohl die Free Gaza Movement mit Sitz in Zypern.

Wo genau der Einsatz stattgefunden hat, ist noch unklar, manche Quellen wie etwa „Free Gaza“, sprechen von internationalen Gewässern und einer Entfernung von rund 140 Kilometern vor der iraelischen Küste.

Nun kann man vielleicht die heutigen Ereignisse etwas besser bewerten.

Eine Frage ist, warum Isral dieses Risiko einging, einen blutigen Militäreinsatz zu riskieren, der Israel weltweit in ein denkbar schlechtes Bild rückt. Denn es inzwischen auch dürfte klar sein, dass ein Teil der Aktivisten der „Flotte“ die Konfrontation mit Waffengewalt provoziert haben, um eben genau diese Reaktion hervorzurufen. Das ist das Dilemma bei der Bewertung: Zum einen ist der harte militärische Schlag Israels in keinster Weise nachvollziehbar. Auch wenn es Israel darum ging, die Blockade durchzusetzen, der Zweck heiligt nun mal nicht immer die Mittel, und hier hat sich Israel – oder besser die Verantwortlichen, die den Militärschlag genehmigt haben, ins weltpolitische Abseits gestellt. Wer mag denn noch mit solchen Politikern und Militärs über die Zukunft verhandeln? Hier ist Israel selbst ein aktiver Spielball geworden, der eine Provokation sondergleichen durchgeführt hat, deren Nachwirkungen jetzt noch kaum abzusehen sind.

Andererseits haben wir die Provokateure, die nicht gerade für friedliche Aktionen bekannt sind und die sich jetzt natürlich als unschuldige Opfer darstellen. Kein Wunder, dass nun ausgerechnet der türkische Ministerpräsident Erdogan, der eh für seine wenig intelligenten Aussprüche bekannt ist, von Staatsterrorismus spricht. Und klar ist: Sollte der Überfall in der Tat in internationalen Gewässern gewesen sein, dann handelt es sich in der Tat von Seiten Israels um einen terroristischen Akt. Ob die Angaben von Free Gaza stimmen, kann ich aber nicht beurteilen, dazu habe ich noch zu wenig an glaubwürdigen Fakten.

Man sieht, eine durchdachte Bewertung der heutigen Ereignisse ist trotz der bisher bekannten Fakten schwierig.

Auf der einen Seite haben wir israelitische Hardliner, die Konflikte ohne Rücksicht auf Verluste in Kaufn nehmen. Diese Leute hben heute Israel einen langfristigen Schaden zugefügt, der kaum abzusehen ist. So lange solche Hardliner in Israel etwas zu sagen haben, dürfte eine Lösung des so genannten Nahost-Konflikts eine Utopie bleiben. Stimmt es wirklich, dass der Einsatz in internationalen Gewässern stattfand, stellt sich Israel selbst außerhalb jeglicher weltpolitischer Akzeptanz und müsste jegliche Untrstützung verlieren.

Auf der anderen Seite haben wir radikal orientierte Aktivisten, die einen Konflikt ohne Rücksicht auf Konflikte riskiert haben – immerhin heißt es etwa bei Welt Online, dass Israel zuvor angeboten haben soll, die Hilfsgüter in Israel zu empfangen und dann auf dem Land weiter zu transportieren.War das Ziel der Flotte, eben eine solche Aktion zu provozieren, dann zählen für mich diese Aktivisten zum Bereich des Terrorismus.

Im Moment komme ich für mich zu dem Schluss, dass ich zum einen auf weitere Fakten – sofern sie denn überhaupt bekannt werden – warten will, zum anderen gleich zwei Schuldige an den heutigen Ereignissen sehe.

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Elmar FriebeDas ist ein Beitrag von: Elmar Friebe

Ausgebildet als Lehrer mit Zweitem Staatsexamen war ich in den 80er-Jahren von einem bundesweiten Einstellungsstopp betroffen. So landete ich Ende der 80-Jahre bei einem Computer-Magazin und bin seitdem als IT-Journalist tätig - und bereue es in keinster Weise. Dieser Blog ist eine rein private Webseite - und ich freue mich immer über interessante, positive oder kritische Kommentare zu den Beiträgen. Zu finden bin ich auch bei Google+ und bei Facebook.

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