Wort des Jahres: Wer kennt das neu gekürte Wort „Wutbürger“?

Jedes Jahr verkündet seit rund 40 Jahren die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) das „Wort des Jahres“: Diesmal ist es „Wutbürger“ – und außer der GfdS oder ein paar Spiegel-Lesern kennt in Deutschland wohl niemand dieses neu gekürte Kunstwort. So bleibt man ratlos hier vor der Meldung sitzen und fragt sich irritiert, wie die GfdS ein solch negativ behaftetes Wort überhaupt in die Auswahl nehmen konnte. Protestbürger – das hätte ich angesichts der Ereignisse um Castor-Transporte oder Stuttgart 21 verstanden. Aber Wutbürger? So schießt sich für mich diese Gesellschaft blitzschnell ins Abseits. Das zeigt auch der Begriff, der es immerhin auf Platz 9 dieses Jahres gebracht hat und den wohl außer der GfdS niemand kennt: „Femitainment“. Ich gestehe, ich musste auch erst die „Erklärung“ in der Pressemitteilung nachlesen, um mit diesem Wort etwas anfangen zu können. Mein Vorschlag für 2011 und das Unwort des Jahres“: Gesellschaft für Deutsche Sprache…

„Gewonnen“ hat Wutbürger dieses Jahr übrigens vor „Stuttgart 21“ und „Sarrazin-Gen“.

Hier übrigens mal eine Übersicht der vergangenen Wörter des Jahres (es gab mal ein paar Jahre Pause zu Beginn). Begriffe wie die von 1992 oder 1996 hätten durchaus wieder neu gekürt werden können – sie sind so aktuell wie damals…

1971: aufmüpfig

1977: Szene

1978: konspirative Wohnung

1979: Holocaust

1980: Rasterfahndung

1981: Nulllösung

1982: Ellenbogengesellschaft

1983: heißer Herbst

1984: Umweltauto

1985: Glykol

1986: Tschernobyl

1987: AIDS, Kondom

1988: Gesundheitsreform

1989: Reisefreiheit

1990: die neuen Bundesländer

1991: Besserwessi

1992: Politikverdrossenheit

1993: Sozialabbau

1994: Superwahljahr

1995: Multimedia

1996: Sparpaket

1997: Reformstau

1998: Rot-Grün

1999: Millenium

2000: Schwarzgeldaffäre

2001: der 11. September

2002: Teuro

2003: das alte Europa

2004: Hartz IV

2005: Bundeskanzlerin

2006: Fanmeile

2007: Klimakatastrophe

2008: Finanzkrise

2009: Abwrackprämie

2010: Wutbürger

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Elmar FriebeDas ist ein Beitrag von: Elmar Friebe

Ausgebildet als Lehrer mit Zweitem Staatsexamen war ich in den 80er-Jahren von einem bundesweiten Einstellungsstopp betroffen. So landete ich Ende der 80-Jahre bei einem Computer-Magazin und bin seitdem als IT-Journalist tätig - und bereue es in keinster Weise. Dieser Blog ist eine rein private Webseite - und ich freue mich immer über interessante, positive oder kritische Kommentare zu den Beiträgen. Zu finden bin ich auch bei Google+ und bei Facebook.

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