Wer braucht schon einen Bahnstreik, wenn es die Münchener S-Bahn gibt?

21.3.2011: So viele verärgerte Reisende wie heute in der S-Bahn vom Zentrum zum Flughafen habe ich selten erlebt – meine heutige Rückfahrt am Abend war in der Tat bemerkenswert und vor allem ein Erlebnis für ausländische Gäste, die ihren Flieger erreichen wollten. Was war geschehen?

Ich komme gegen 18:15 Uhr am Marienplatz in München an. Auf den Anzeigetafeln steht nur ein Hinweis, dass es wohl vorher eine Streckensperrung gegeben habe und es nun noch zu Verspätungen oder aus Ausfällen der S-Bahn kommen könnte. Okay, irgendeine Panne kann ja passieren, denke ich – und sicher auch viele am überfüllten Bahnsteig. Dann fährt eine S-Bahn ein – für alle überraschend, welche es denn nun ist. Interessant: Erst ein paar Sekunden vor Abfahrt kommt eine Durchsage, dass es empfehenswert sei, diese S-Bahn zu nehmen und dann am Ostbahnhof umzusteigen. Ich habe noch nie so viee Menschen gleichzeitig in so wenigen Sekunden in die S.Bahn stürzen sehen…

Dann kommt irgendwann die nächste S-Bahn – wieder Überraschung, und dasselbe Spiel wiederholt sich… Dass der Mann am Mikro mal durchsagt, in welcher Reihenfolge die nächsten ein, zwei Bahnen kommen – kein Gedanke.

Nach gut einer halben Stunde kommt dann tatsächlich und völlig überraschend eine S-Bahn Richtung Flughafen. Jede Menge Leute warten mit Koffern und sind wegen der Verspätung eh schon unruhig. Das Problem: Die S-Bahn ist schon bis zum Bersten gefüllt, dennoch gelingt es etlichen mit mir zusammen, sich einfach noch hineinzudrängen. Schließlich habe ich Metro-Rush-Hour-Erfahrung in Moskau, alles kein Problem…

Ich schaffe es, den bereits im Weg stehenden Koffern auszuweichen und den nachdrückenden Koffern zu entgehen…

Bei der Einfahrt in den Bahnhof Johanneskirchen kommt dann die Durchsage, dass hier Endstation sei – alle aussteigen. In Kürze würde am gegenüberliegenden Gleis eine S-Bahn Richtung Flughafen eintreffen. Also alle raus aus der überfüllten S-Bahn. Die wechselt derweil die Anzeige – statt Flughafen also andere Richtung gen Herrsching.

In der Tat, nach ein paar Minuten trifft eine bereits etwas gefüllte S-Bahn ein. Dumm nur: So wie bei unserer bisherigen Bahn steht dort als Ziel nicht etwa Flughafen, sondern ebenfalls Herrsching – also ganz andere Richtung. Macht nichts, denken sich die meisten und stürmen die neue S-Bahn. Dann erneute Unsicherheit, denn innen steht auch noch Herrsching als Ziel. Die ersten steigen wieder aus, mitsamt ihren Koffern. Durchsagen bisher? Fehlannzeige.

Minuten später dann doch imm Innern der Bahn eine Durchsage, es gehe nun Richtung Flughafen. Und alle, die noch draußen warteten oder wieder ausgestiegen waren, hasten schnell wieder in die Bahn. Viele sind total verärgert über dieses Chaos… Und viele telefonieren mit dem Flughafen,kündigen Verspätung an und schimpfen in allen möglichen Sprachen über den Service…

Ein paar rechtzeitige Durchsagen hätten sicherlich geholfen, hier Unsicherheit und Ärger zu vermeiden – aber das wäre ja Service gewesen und damit wohl zuviel verlangt.

Das Beispiel zeigt, das die S-Bahn in solchen Situationen total überfordert ist und den Frust und Ärger der Reisenden in Kauf nimmt. Und das bei Preisen, die eh schon nicht ganz ohne sind… Ob die ausländischen Gäste gerne wiederkommen…?

Als Pendler bin ich hingegen solchen Kummer und schlechten Service längst gewohnt – ich kann mich kaum erinnern, wann mal in der Früh eine S-Bahn pünktlich kommt. Die Durchsagen, die dann manchmal, aber längst nicht immer kommen, nehmen alle Pendler inzwischen mit viel Galgenhumor zur Kenntnis. Denn wenn dan etwa fünf Minuten Verspätung angesagt werden, rechnet eh jeder mit 10 bis 15 Minuten – das sind realistische Erfahrungswerte… Im Sommer okay, im Winter katastrophal…

Wie erwähnt: Wer braucht schon einen Bahnstreik, wenn man mit der Münchener S-Bahn fahren muss…? Ich glaube, nur in Berlin wird es ähnliche Erfahrungen geben…

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Elmar FriebeDas ist ein Beitrag von: Elmar Friebe

Ausgebildet als Lehrer mit Zweitem Staatsexamen war ich in den 80er-Jahren von einem bundesweiten Einstellungsstopp betroffen. So landete ich Ende der 80-Jahre bei einem Computer-Magazin und bin seitdem als IT-Journalist tätig - und bereue es in keinster Weise. Dieser Blog ist eine rein private Webseite - und ich freue mich immer über interessante, positive oder kritische Kommentare zu den Beiträgen. Zu finden bin ich auch bei Google+ und bei Facebook.

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