USA spioniert Bankdaten aus – und die EU stimmt zu!

Datenschutz wird mit den Füßen getreten, 1984 ist längst Wirklichkeit geworden: Ich finde es erschütternd, mit welch einer Dreistigkeit sich die USA das Recht herausnehmen, überall herumzuschnüffeln und zum Beispiel die Kontenbewegungen europäischer Firmen und von Privatpersonen lesen – mit Details wie Namen des Absenders und Empfängers einer Überweisung, die Kontodaten, den Verwendungszweck und die Summe. Und ich bin fassungslos: Die  EU-Außenminister (alle!) wollen am kommenden Montag ein Abkommen mit den USA auf den Weg bringen, das Sicherheitsbehörden den Zugriff auf sensible Überweisungsdaten erlauben soll!  Und – kann ich mich dagegen schützen?

Mal ganz davon abgesehen: Unsere US-Vorbilder kontrollieren solche Daten über SWIFT (das kennen viele von dem SWIFT/BIC-Code, der die internationale Bankleitzahl kennzeichnet) schon seit Ende 2001, was sie fast fünf Jahre völlig geheim taten – erst 2006 kam es an das Licht der Öffentlichkeit. Jetzt sollte der SWIFT-Server nach Europa verlegt werden, um genau das zu verhindern – und nun machen die EU-Außenminister den Kniefall vor den USA und wollen bis Herbst das entsprechende Abkommen in Gang setzen. Datenschutz, was ist das? Hey, Leute, ihr seid gewählt, um die Menschen hier zu vertreten – nicht, um sie zu treten! Volks-ver-Treter…

Das nenne ich bei den USA nicht mehr Terrorbekämpfung, sondern einfach nur noch krankhafte Phobie. Was sollen wir denn noch so alles den Amerikanern offenlegen? Fingerabdrücke bei der Einreise, Überprüfungen der Flüge, Kontendaten, E-Mail-Überwachung und vieles mehr. Inzwischen ist die USA wohl der schlimmste Überwachungsstaat geworden, den es je in der Geschichte in dieser Auswirkung gegeben hat. Was kommt denn noch für Leute, die aus Europa in die USA reisen wollen? Zwischenaufenthalt auf Guantanamo mit erfrischendem Waterboarding? Verbrennen der Kleidung und Zuweisung von leuchtenden Büßergewändern, damit potentielle Terroristen auch schnell erkannt werden? Und das Schlimme ist: Ich glaube nicht, dass die meisten Amerikaner so etwas wirklich wollen, sondern nur die Administration und die Geheimdienste – und die haben leider die Macht übernommen.

Und das alte und neue Europa gehen hier Hand in Hand und stimmen allem, was die USA will, brav zu. Irgendwie verständlich, sonst könnte man ja als Terrorstaat dastehen – und was mit solchen Staaten passiert, haben wir schon alle im Irak und in Afghanistan erlebt. Das ist ja wie in früheren Zeiten: Nur ein toter Indianer – äh Terrorist – ist ein guter… Aber meine Vorstellung eines Europa ist eine andere.

Frage: Bekommen wir in Europa eigentlich auch die Bankdaten aus den USA zu sehen? Vermutlich nicht, es dürfte sich um ein recht einseitiges Abkommen handeln. Wohl dem, der sein Geld als Bargeld verwahrt – was ja angesichts der Bankenkrise (kam die nicht aus den USA zu uns?) durchaus verständlich wäre. Vor allem die US-Firmen werden sich freuen, wenn Daten aus der EU dort bekannt werden. Airbus macht Überweisungen, Boeing freut sich…

Viele haben sich auf Obama gefreut – und was ist die Wahrheit? Er und seine Administration setzen nahtlos dort an, wo der Bush-Krieger aufgehört hat.

Gut – was können wir wirklich tun? Nichts. Oder vielleicht doch?

Mein Vorschlag: Jeder, der ab morgen eine Überweisung vornimmt, sollte das Kontaktformular des Weißen Hauses in Washington nutzen und eine Nachricht hinterlassen, dass ein Überweisung stattgefunden hat. Gut, bei den Daten der Überweisung kann man sich ja verschrieben haben, also aus Versehen falsche Summen oder falsche Namen angeben. Wer nutzt schon die Rechtschreibprüfung bei Mails? Ich denke, wenn Millionen von Mails dort so eintreffen, dann hat die Spamabwehr dort einiges zu tun… :roll:

Diese Beiträge passen zum Thema und könnten auch interessant sein:

Elmar FriebeDas ist ein Beitrag von: Elmar Friebe

Ausgebildet als Lehrer mit Zweitem Staatsexamen war ich in den 80er-Jahren von einem bundesweiten Einstellungsstopp betroffen. So landete ich Ende der 80-Jahre bei einem Computer-Magazin und bin seitdem als IT-Journalist tätig - und bereue es in keinster Weise. Dieser Blog ist eine rein private Webseite - und ich freue mich immer über interessante, positive oder kritische Kommentare zu den Beiträgen. Zu finden bin ich auch bei Google+ und bei Facebook.

  • Website: http://www.digiversum.de


HINWEIS: Die Datenschutzerklaerung habe ich gelesen und akzeptiert, wenn ich einen Kommentar schreibe.

Da ich derzeit sehr viele Spam-Kommentare erhalte, kommen alle Kommentare nun zuerst in die Moderation. Es kann also ein wenig dauern, bis ein neuer Kommentar sichtbar wird.

Eventuell zweimal auf Absenden klicken zum Abgeben des Kommentars. Warum das notwendig ist, habe ich noch nicht herausgefunden ...

Hinterlasse einen Kommentar

Du musst zum Kommentieren angemeldet sein.