Streit zwischen Kirche und Staat wegen Kindesmissbrauchsvorwürfen

Es ist einfach nur erschreckend, was nach und nach herauskommt und was vor allem die katholische Kirche wohl bislang lieber mit dem Mantel der Verschwiegenheit zudecken wollte. Da passt es gar nichts ins Bild, wenn sich eine aktuelle Justizministerin wie Sabine Leutheusser-Schnarrenberger es herausnimmt, der katholischen Kirche mangelnde Kooperation bei der Aufklärung vorzuwerfen. Die Reaktion des obersten Kirchenführers der katholischen Kirche folgte prompt: Der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch reagiert empört und fordert per Ultimatum eine Entschuldigung der Justizministerin binnen 24 Stunden.

Mal ganz ehrlich: Da nimmt sich jemand viel wichtiger, als er ist – und damit meine ich nicht etwa die Justizministerin. Was derzeit da so alles bekannt wird, das finde ich einfach nur erschreckend und vor allem ekelhaft. Und wie so oft dürfte das alles nur die Spitze des Eisberges sein, die da wirklich an die Öffentlichkeit gelangt.

Den Gipfel der Unverschämtheit habe ich heute in einem TV-Interview gehört, als ein katholischer Kirchenvertreter von seelsorgerischer Betreuung der Misshandelten sprach. Wäre ich betroffen, als Beteiligter oder als Angehöriger, würde ich jeden Kirchenvertreter hochkant hinauswerfen, der seelsorgerisch „helfen“ will. Das Vertrauen ist weg.

Mit solchen Forderungen und Ultimaten macht sch die katholische Kirche in Deutschland bestimmt wieder so beliebt, dass die aktuellen Zahlen der Kirchenaustritte sicherlich zurückgehen werden. Oder? Zuletzt sind sie ja wohl in den letzten Jahren drastisch gestiegen.

Gefragt (und gefordert, Bischof Zollitsch!) ist eine schnelle, offene und restlose Aufklärung aller Fälle, ab sie nun 10 oder 40 Jahre zurückliegen – und die sofortige Entfernung aller Verantwortlichen aus allen kirchlichen Ämtern sowie Bestrafung nach allen möglichen Rechtsgrundlagen des Staates. Und zwar nicht im Zuge einer innerkirchlichen Untersuchung, bei der man im Grunde weiß, weiß dabei herauskommen wird.  Da hilft kein Ultimatum, um eine Entschuldigung zu fordern – das zeigt eher den Kleingeist, den manche Kirchenvertreter leider immer noch haben und der heute so fehl am Platze ist wie nie zuvor.

Dass Kindesmissbrauch kein spezifisches Problem der katholischen Kirche ist, ist dabei sicher klar. Dass Kindesmissbrauch zu den ekelhaftesten Taten überhaupt gehört, auch. Um so mehr sollte jede Ablenkungs- und Vertuschungspolitik so schnell wie möglich beseite gelegt werden. Da helfen auch solche Empörungsäußerungen wie von Bischof Zollitsch überhaupt nicht weiter. Es liegt an der katholischen Kirche, hier offen und aufgeschlossen aufzutreten und alles für eine Aufklärung zu tun. Nur so kann man neues Vertrauen gewinnen und verlorenes Vertrauen zurückgewinnen. Die Chance hat die Bischofskonferenz aber sicherlich vertan.

Es wird interessant werden, die Auswirkungen in den kommenden Jahren zu verfolgen. Die katholische Kirche gibt derzeit ebenso wenig ein positives Bild ab wie die evangelische Kirche unter Frau Käßmann, die – bei allem Respekt für ihren Rücktritt – eben nicht als Vorbild gedient hat mit einer sehr hohen Promille-Fahrt.

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Elmar FriebeDas ist ein Beitrag von:

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