Silvia Neid bleibt zum Glück Bundestrainerin – und Potsdam-Trainer Schröder stellt sich immer mehr ins Abseits

13.7.2011: Als ich das Interview bei Focus Online gelesen habe, das mit dem angeblich deutschen Frauenfussball-Experten Nummer Eins Bernd Schröder, dem Trainer von Turbine Potsdam, geführt wurde, habe ich nur gedacht: Wie kann ein Mann mit solch tollen Erfolgen sich nur so selbst ins Abseits stellen? Dieser Mann ist ein typisches Beispiel dafür, wie man nach vielen Jahren eine dumme Überheblichkeit und Besserwisserei an den Tag legt. Und – was ich noch schlimmer finde – er verstößt mit seiner anhaltenden öffentlichen Kritik an Silvia Neid gegen einen ungeschriebenen Ehrenkodex unter Trainern – sorry, so kann man Bernd Schröder wahrlich nicht mehr Ernst nehmen!

Es ist interessant, dass nach dem Viertelfinal-Aus gegen Japan plötzlich ungefragt so genannte Experten den Weg in die Öffentlichkeit suchen, die eher Stammtisch-Parolen als konstruktive Meinungen bringen. Über den Vater von Birgit Prinz habe ich mich ja schon bereits geäußert, jetzt kommt noch ein so genannterf Spielerberater namens Dieter Weber ins Licht der Öffentlichkeit, der vielleicht ein guter Berater bei Verträgen ist, ansonsten aber wohl so viel Ahnung vom Fussball hat wie eine Kuh vom Stricken. Es ist erschreckend, wie Egozentrik immer mehr zunimmt – wir sehen es hier im Sport und wir sehen es in der Politik.

Ich fürchte, der erhoffte Aufschwung des Frauen-Fussballs wird angesichts solcher Dummschwätzer und Besserwisser weiterhin ausbleiben.

Wie ich es geahnt habe: Potsdams Trainer Schröder schiebt die schlechten Leistungen auch auf die lange Vorbereitungszeit, wie auch wieder Focus Online berichtet: Was war diesmal anders als bei den letzten Erfolgen des Damenteams bei Europa- oder Weltmeisterschaften? Aber wehe, jamnd würde seine Vorbereitungszeiten stören…

Ich jedenfalls glaube, dass es eine gute Entscheidung war, dass Silvia Neid weiterhin Bundestrainerin ist und bleibt. Und weitere Interviews mit Bernd Schröder mag und will ich nicht mehr lesen – allenfalls die Meldung, dass er sich aus dem Sport zurückgezogen hat. Vielleicht nagt es ja immer noch an ihm, dass er zwar mal Trainer einer Nationalmannschaft war – 1989 des DDR-Frauenteams – und das aus bekannten Gründen nur für ein Spiel, das auch noch mit 0:3 verloren ging….

Im direkten Vergleich kann jedenfalls Silvia Neid international mehr Erfolge vorweisen als Bernd Schröder…

Diese Beiträge passen zum Thema und könnten auch interessant sein:

Elmar FriebeDas ist ein Beitrag von: Elmar Friebe

Ausgebildet als Lehrer mit Zweitem Staatsexamen war ich in den 80er-Jahren von einem bundesweiten Einstellungsstopp betroffen. So landete ich Ende der 80-Jahre bei einem Computer-Magazin und bin seitdem als IT-Journalist tätig - und bereue es in keinster Weise. Dieser Blog ist eine rein private Webseite - und ich freue mich immer über interessante, positive oder kritische Kommentare zu den Beiträgen. Zu finden bin ich auch bei Google+ und bei Facebook.

  • Website: http://www.digiversum.de


3 Kommentare

Kommentar abschicken»
  1. 1
    Uwe Wasner

    Es mag sein, dass Bernd Schröder ein Kotzbrocken ist. Es mag auch sein, dass es sich nicht gehört, den Ehrenkodex zu brechen. Aber stellen Sie sich mal vor, Bayern steht im Championsleague-Finale und Jogi Löw wäre nicht da, das wäre ein Fauxpas ohne gleichen. Und: Das wäre jedem aufgefallen. Bei den Frauern ist das nicht so. Also darf das nicht nur, nein, es muss an den Pranger. Und dass die Frauen bei der WM keinen guten Fußball gespielt haben, dürften auch Sie gemerkt haben. Und da wiederum ist es legitim, nach Schuldigen zu suchen. Die Spieler aber haben ihr bestes gegeben. Aber sie haben nun mal den, „Prinz“schen Fussball gespielt, der lange Jahre zu Recht erfolgreich war. Das soll kein Vorwurf an Pirgit Prinz sein, sondern nur die Feststellung, dass das System „Wir spielen den Ball nach vorn zu Birgit Prinz, die macht dann schon das Tor“ einfach überholt ist. Aber genau so haben sie gespielt. Brasilien übrigens auch. Das hat vor vier Jahren noch gereicht zum Titel. Aber der Frauenfußball hat sich rasant entwickelt. Und diesen Weg ist Silvia Neid nicht mitgegangen. Es wäre ergo angebracht, dass sie sich Asche aufs Haupt streut und sagt: „Ja, ich habe Fehler gemacht.“ Tut sie aber nicht. Das hat sie schon mal von Jogi Löw gelernt. Wenn Sie aus Ihren Fehlern lernt und die Mannschaft in Zukunft guten Fußball spielen lässt, dann soll sie meinetwegen gerne Bundestrainerin bleiben.Ich habe über 25 Jahre Fussball gespielt. Bin also kein Manager oder IT-Journalist.Und hören Sie bitte auf, den Menschen im Jahre 2011 ihre ostdeutsche Vergangenheit vorzuwerfen.Uwe

  2. 2

    Ich gebe Uwe Recht, dass die deutschen Damen bei dieser WM wahrlich keinen guten Fussball gespielt haben – das habe ich ja auch schon mehrfach geschrieben. Und auch Silvia Neid hat sich insbesondere durch ihre Auswechslungen nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Ich sehe aber auch die vielen Spiele vor der WM, die einen ganz anderen Fussball gezeigt haben, so dass ich andere Gründe für die schlechten Spiele sehe. Und ein Hinweis auf die DDR-Nationalmannschaft hat überhaupt nichts mit irgendwelchen Vorwürfen zu tun, sondern war einfach die Nennung einer sachlichen Information, die ich zuvor bei Wikipedia gefunden habe und was jeder dort selbst nachlesen kann.

  3. 3
    Dorette Wesemann

    Bernd Schröder ist vor allem einer der erfolgreichsten Vereinstrainer in Deutschland und aus bekannten Gründen nur für sehr kurze Zeit DDR-Nationalmannschaftstrainer, deshalb ist ein direkter Vergleich der Erfolge von Neid und Schröder kaum möglich. Herr Schröder ist nicht plötzlich aus einem Winkel gekrochen, die Kritik gibt es schon sehr lange, und wenn man die Frauenfußball-Bundesliga schon etwas länger verfolgt wie ich, dann weiß man auch, was hinter der Kritik steckt. Die Bundesliga wurde letzte Saison (anders als bei den anderen Vorbereitungszeiten des DFB!) in kürzester Zeit durchgeschruppt, teilweise auf steinhart gefrorenen „Rasen“plätzen gespielt, wo fast noch die Spielerinnen selbst mit der Schneeschippe vorher ranmussten. Englische Wochen, und das bei der Eiseskälte im letzten Winter, kaum Zuschauer, weil wer will schon bei -10 Grad 90 Minuten ein nicht immer ansehnliches Gekicke sehen, wenn auf den Plätzen die Tore teilweise mehr durch Zufall gemacht werden, aufgrund der Bedingungen. Die kleinen Vereine hatten dadurch kaum laufende Einnahmen. Bernd Schröder konnte mit seiner Mannschaft bis kurz vor dem Champions-Ligue-Finale nicht mit der ganzen Mannschaft trainieren, aufgrund der Abstellungen.Er hatte dem Vorbereitungsplan des DFB nur mit Bauchschmerzen zugestimmt. Die Kritik damals wurde natürlich nicht in allen Medien verbreitet, weil es damals auch kaum jemanden interessiert hat. Bernd Schröder ist kein selbsternannter Experte und Dummschwätzer, sondern ein kritischer Geist, dem immer an der Sache „Frauenfußball“ gelegen ist, auch wenn er manchmal zu impulsiv ist und ein wenig übers Ziel hinausschießt. Seine Meinung wird jedenfalls von sehr vielen langjährigen Frauenfußball-Fans geteilt.



HINWEIS: Die Datenschutzerklaerung habe ich gelesen und akzeptiert, wenn ich einen Kommentar schreibe.

Da ich derzeit sehr viele Spam-Kommentare erhalte, kommen alle Kommentare nun zuerst in die Moderation. Es kann also ein wenig dauern, bis ein neuer Kommentar sichtbar wird.

Eventuell zweimal auf Absenden klicken zum Abgeben des Kommentars. Warum das notwendig ist, habe ich noch nicht herausgefunden ...

Hinterlasse einen Kommentar

Du musst zum Kommentieren angemeldet sein.