Schweinegrippe-Impfung: Unterschiede zwischen Pandemrix und Celvapan

Derzeit gibt es eine rege Diskussion über die beiden Impfstoffe, die in Kürze gegen die Schweinegrippe gereicht werden sollen. Der Hintergrund noch einmal: Bundesregierung und Bundeswehr haben den US-Impfstoff Celvapan von Baxter bestellt, während die Bundesländer für die „normale“ Bevölkerung den Impfstoff Pandemrix des britischen Herstellers GlaxoSmithKline geordert haben. Diskutiert wird über mögliche Gefahren durch Pandemrix. Ich bin kein Mediziner, aber ich habe mal versucht, etwas mehr zu erfahren. Was sind die wesentlichen Unterschiede?Celvapan:

Das Konzept hinter diesem Impfstoff besteht darin, dass es es um einen so genannten „Ganz-Virus-Impfstoff“ handelt. Laienhaft ausgedrückt: Hier sind jede Menge Antigene vorhanden, die gegen den Erreger ankämpfen können. Der Nachteil: Mitunter kommt es gerade bei solchen „Ganz-Virus-Impfstoffen“ zu starken Reaktionen. Vermutlich habe ich so etwas mal vor vielen Jahren bei einer normalen Grippe-Impfung erwischt, denn danach war ich wirklich ein paar Tage grippe-krank…

Pandemrix:

Weil es manchmal eben zu solch verstärkten Reaktionen kam, hat man so genannte Spalt-Impfstoffe entwickelt. Die enthalten nur einen Teil der Antigene. Dadurch sind sie in der Regel verträglicher, können aber auch genau deshalb mitunter weniger Wirkung erzielen oder sind vielleicht sogar wirkungslos. Da die Hersteller das aber verhindern wollen, enthält Pandemrix Zusatzstoffe, die die Wirkung des Impfstoffes verstärken sollen. Diese Zusatzstoffe nennt man Adjuvantien.

Und genau hier ist der Streit um den Impfstoff entbrannt. Denn es gibt scheinbar keinerlei Erkenntnisse darüber, wie sich diese Adjuvantien auf ein eh schon labiles oder noch nicht ausgereiftes Immunsystem auswirken – daher sind Kinder, junge Menschen und insbesondere Schwangere gefährdet, so viele Mediziner, wie Alexander Kekulé, Chef der Medizinischen Mikrobiologie in Halle.

Und damit haben wir das Dilemma: Da wohl außer in den USA (natürlich USA, denkt man Guantanamo) nirgendwo sonst Impfstoffe an Schwangeren getestet wurden (aus ethisch nachvollziehbaren Gründen), sind die Auswirkungen von Pandemrix gerade bei Schwangeren völlig unerforscht. Interessanterweise nutzen die USA übrigens einen Spalt-Impfstoff – aber ohne Zusatzstoffe… Was mögen da die Tests nur ergeben haben?

Nur ist dieser Impfstoff  in der EU nicht oder noch nicht zugelassen…

Es scheint somit auch erklärbar zu sein, warum bisher so gut wie keinerlei Ratschläge für Schwangere in Bezug auf die Schweinegrippen-Impfung zu finden sind, sondern nur Warnungen. Wer in den gefährdeten Gruppen ist, sollte also unbedingt ärztlichen Rat vor einer Impfung einholen!

Da jetzt ohnehin die Zeit der „normalen“ Grippeschutzimpfung beginnt, sollte ohnehin jeder den Arzt seines Vertrauens befragen, ob die zusätzliche Schweinegrippen-Impfung überhaupt notwendig ist. Ich halte Schutzimpfungen für wichtig – nur sollte klar über Risiken und Nebenwirkungen aufgeklärt werden.

Und dass sich Regierung und Bundeswehr für einen anderen Impfstoff als für den, der an das „Volk“ verteilt werden soll, entschieden haben, spricht doch wohl ganz deutlich dafür, dass beide Seiten wenig Vertrauen in Pandemrix haben. Peinlich, dass das bekannt geworden ist – und es zeigt, was man davon halten soll. Alle Macht dem Volke, heißt es sinngemäß im Artikel 20 des deutschen Grundgesetzes – aber bessere Versorgung nur für Auserwählte scheint heute die Devise zu sein… Ich halte das ganze immer noch für einen Skandal!

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Elmar FriebeDas ist ein Beitrag von: Elmar Friebe

Ausgebildet als Lehrer mit Zweitem Staatsexamen war ich in den 80er-Jahren von einem bundesweiten Einstellungsstopp betroffen. So landete ich Ende der 80-Jahre bei einem Computer-Magazin und bin seitdem als IT-Journalist tätig - und bereue es in keinster Weise. Dieser Blog ist eine rein private Webseite - und ich freue mich immer über interessante, positive oder kritische Kommentare zu den Beiträgen. Zu finden bin ich auch bei Google+ und bei Facebook.

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