Schleswig-Holstein, genauer ULD, droht mit horrenden Strafen für Webseiten-Betreiber, die den Facebook-Button „I like it“ verwenden

19.8.2011: Das kleine Schleswig-Holstein, genauer das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz (ULD), scheint sich wie einst ein kleines gallisches Dorf zu fühlen und fordert doch in der Tat alle Webseiten-Betreiber (übrigens nur die in Schleswig-Holstein!) in einer aktuellen Meldung auf, alle Dienste wie den Like-it-Button von Facebook von ihren Webseiten zu entfernen. Andernfalls, so auch die Meldung, könnten Bußgelder bis zu 50.000 Euro verhängt werden. Wie skurril sind denn die Vertreter wie Thilo Weichert, Leiter des ULD, drauf? An Facebook selbst wird zwar Kritik geäußert, Webseiten-Betreiber dagegen sofort mit härtesten Strafen gedroht. Das klingt so wie: oben buckeln, unten treten – eine Farce, die ins aktuelle Sommerloch passt.

Mal ganz davon abgesehen, dass ich ebenfalls durchaus der Meinung bin, dass Facebook hier völlig unkontrolliert Daten sammelt – deshalb ja auch kein entsprechender Button mehr bei mir im Blog, ich habe über die grundlegende Problematik berichtet. Aber:

Völlig absurd finde ich allerdings den Aufbau solcher Drohgebärden durch das ULD – da werden mal wieder im Grunde Unschuldige bedroht, statt das Übel an der Wurzel anzugehen.

Unkontrollierte Datenübermittlung an die USA – wer mal den Suchbegriff „USA“ auf den Seiten der ULD eingibt, findet einige halbseidene Texte zu dem Thema, dass eine Vielzahl an persönlichen Daten an die USA übermittelt werden, sobald man sich ein USA-Ticket kauft – und: die Berichte sind ausgesprochen aktuell, nämlich von 2007 und früher. Dass hier ein durchaus vergleichbares und für meinen Geschmack viel schlimmeres Thema ignoriert wird, zeigt für mich eindeutig die Inkompetenz des ULD.

Ich halte es auch für fraglich, ob Gerichte wirklich im Sinne des ULD entscheiden würden – noch gibt es da keine Entscheidungen.

Jetzt stellt sich für mich die Frage, ob man als Webseiten-Betreiber außerhalb von Schleswig-Holstein, der den Like-it-Button noch einsetzt, auch die Besucher aussperren sollte, die aus Schleswig-Holstein kommen. Wäre technisch ja durchaus möglich – aber da müsste natürlich ein Tracking erfolgen – und ob das zulässig ist…?

Nun gut, mag man sagen, irgendwie muss dieses Bundesland ja von allen möglichen Affären ablenken – man denke aktuell an Christian von Boetticher, an die Barschel-Affäre oder an die Lohmann-Affäre, um nur wenige Beispiele zu nennen, was da so alles in Schleswig-Holstein abgeht…

Diese Beiträge passen zum Thema und könnten auch interessant sein:

  • Keine anderen Beiträge zum aktuellen Thema vorhanden
Elmar FriebeDas ist ein Beitrag von: Elmar Friebe

Ausgebildet als Lehrer mit Zweitem Staatsexamen war ich in den 80er-Jahren von einem bundesweiten Einstellungsstopp betroffen. So landete ich Ende der 80-Jahre bei einem Computer-Magazin und bin seitdem als IT-Journalist tätig - und bereue es in keinster Weise. Dieser Blog ist eine rein private Webseite - und ich freue mich immer über interessante, positive oder kritische Kommentare zu den Beiträgen. Zu finden bin ich auch bei Google+ und bei Facebook.

  • Website: http://www.digiversum.de


HINWEIS: Die Datenschutzerklaerung habe ich gelesen und akzeptiert, wenn ich einen Kommentar schreibe.

Da ich derzeit sehr viele Spam-Kommentare erhalte, kommen alle Kommentare nun zuerst in die Moderation. Es kann also ein wenig dauern, bis ein neuer Kommentar sichtbar wird.

Eventuell zweimal auf Absenden klicken zum Abgeben des Kommentars. Warum das notwendig ist, habe ich noch nicht herausgefunden ...

Hinterlasse einen Kommentar

Du musst zum Kommentieren angemeldet sein.