Rente mit 67: Für wen gilt das überhaupt?

Als die Rente mit dem Argument der längeren Lebenszeit (und damit natürlich längerer Bezugszeit!) für die kommenden Jahre auf bis zu 67 erhöht wurde, gab es keinesweg den von mir erwarteten Sturm der Entrüstung. Kein Wunder, wenn man sich die Zahlen anschaut, die heute in der Tagesschau genannt wurden. Dabei kann diese Lebensarbeitszeitsverlängerung richtig ins Geld gehen – und die Rentenversicherung spart kräftig. Warum?

Im August 2008 hat eine Umfrage – also noch vor der jetzigen Finanzkrise! – ergeben, dass kaum jemand das volle Rentenalter erreicht, also bis 65 noch im Job tätig ist. Bei den 55-58-jährigen arbeiten nur noch 39 Prozent der Erwerbstätigen, in der Altersgruppe 58 bis 63 sinkt der Anteil auf 27 Prozent. Und ab 63 gehen wohl noch mehr Arbeitnehmer vorzeitig in Rente, bis 65 sind nur noch 7 Prozent Erwerbstätige erfasst.

Kein Wunder also, dass kaum ein Aufschrei der künftigen Rentner gegen die Rente bis 67 kam.

Hinzu kommt eins: Wer heute vorzeitig in Rente geht, muß Einbußen hinnehmen: Man bekommt pro Monat früheren Renteneintritt 0,3 Prozent von der Rente abgezogen. Klingt nicht viel, oder? Rechnet man das nach, ergeben sich bei einem Renteneintritt von 60 (gegenüber 65) Jahren schon erkleckliche 18 Prozent Minus. Bei 1000 Euro Rente bleiben nur 820 Euro übrig. Pro Monat. Bei der durchschnittlichen Bezugszeit von heute rund 16 Jahren summiert sich der Verlust an Rente also auf stolze 34.560 Euro Verlust… Gut, dafür hat man ja auch 5 Jahre eher aufgehört (falls man die Wahl hatte… – siehe unten).

Kommt jetzt noch die Rente bis 67 hinzu und will man dennoch mit 60 in Rente gehen, dann kommen noch einmal rund 7 Prozent Abzug hinzu. Vorausgesetzt, die Rente ist wie beschlossen garantiert – aber wer mag daran glauben, nachdem die Diskussionen schon längst losgegangen sind. Wer weiß, was einer neuen Bundesregierung nach den Wahlen so alles einfällt: Rente mit 75, Mindest- gleich Einheitsrente für den Normalbürger, das wären doch „Vorschläge“…

Übrigens: Seit dem Beginn der Finanzkrise ist die Zahl der Arbeitslosen, die älter als 58 sind, doppelt so hoch wie im Vorjahr.

Diese Beiträge passen zum Thema und könnten auch interessant sein:

  • Keine anderen Beiträge zum aktuellen Thema vorhanden
Elmar FriebeDas ist ein Beitrag von: Elmar Friebe

Ausgebildet als Lehrer mit Zweitem Staatsexamen war ich in den 80er-Jahren von einem bundesweiten Einstellungsstopp betroffen. So landete ich Ende der 80-Jahre bei einem Computer-Magazin und bin seitdem als IT-Journalist tätig - und bereue es in keinster Weise. Dieser Blog ist eine rein private Webseite - und ich freue mich immer über interessante, positive oder kritische Kommentare zu den Beiträgen. Zu finden bin ich auch bei Google+ und bei Facebook.

  • Website: http://www.digiversum.de


HINWEIS: Die Datenschutzerklaerung habe ich gelesen und akzeptiert, wenn ich einen Kommentar schreibe.

Da ich derzeit sehr viele Spam-Kommentare erhalte, kommen alle Kommentare nun zuerst in die Moderation. Es kann also ein wenig dauern, bis ein neuer Kommentar sichtbar wird.

Eventuell zweimal auf Absenden klicken zum Abgeben des Kommentars. Warum das notwendig ist, habe ich noch nicht herausgefunden ...

Hinterlasse einen Kommentar

Du musst zum Kommentieren angemeldet sein.