Peinlich, oberpeinlich, Thilo Sarrazin

Eigentlich glaubt man, dass Politiker lernen, erst zu denken, dann zu reden. Gut, Sarrazin ist kein Politiker mehr (zum Glück), er ist jetzt Vorstand bei der Bundesbank. Noch, will man hoffen, wobei sich schon die Frage stellt, wie jemand, der scheinbar als ehemaliger Finanzsenator von Berlin das Denken längst verlernt hat, zu einer solchen Position kommen kann. Was Sarrazin in einem Interview über Ausländer abgelassen hat, ist unerträglich und absolut unterste Schublade – ich dachte, solche Zeiten sind längst vorbei oder allerhöchstens schlimmste  Stammtischparolen nach dem 25. Bier. Sehr peinlich finde ich es, dass Thilo Sarrazin nur wenige Kilometer von meinem Geburtsort sein Abitur gemacht hat – ich entschuldige mich schon mal dafür, nicht alle aus der Gegend sind so – Ausnahmen bestätigen mal wieder die Regel. Man schämt sich fast dafür, ebenfalls das Abitur in der Nähe gemacht zu haben.

Wie sagte Sarrazin noch im Interview mit der Zeitschrift „Lettre International“: „Ich muss niemanden anerkennen, der vom Staat lebt, diesen Staat ablehnt, für die Ausbildung seiner Kinder nicht vernünftig sorgt und ständig neue, kleine Kopftuchmädchen produziert.“ Ja, ein niedlicher Vergleich mit kleinen Hasen und Kaninchen… Vielleicht sollte man diesem Herrn mal einen Kuraufenthalt in der Türkei ermöglichen – am besten für die nächsten 40 Jahre?

Wie hat der Bundesbanker noch gesagt: „Die Türken erobern Deutschland genauso, wie die Kosovaren das Kosovo erobert haben: durch eine höhere Geburtenrate.“ Ja, ja, wieder Hasen und Kaninchen… Wie nett, Herr Sarrazin -ach ja, in welcher Partei waren Sie damals noch mal? Ich erinnere mich dumpf an die SPD…

Wenn es einen Nobel-Preis für dämliche Sprüche geben würde, Sarrazin wäre Kandidat Eins auf der Liste. Obwohl – Obama hat ja auch den Friedens-Nobel-Preis bekommen, weil sich die USA aus Irak und Afghanistan zurückgezogen haben und die Folter-Stätte Guantanamo auf Kuba aufgegeben haben – oder habe ich da was falsch verstanden? So ganz kann man die Leute in Stockholm ja nicht mehr nehmen, oder? Mit solchen Entscheidungen degradieren sie sich doch selbst zutiefst.

Aber es ist ja gut zu wissen, dass Sarrazin seine Sprüche bedauert. Ja, das klingt absolut aufrichtig von einem, der bekannt dafür ist, erst zu reden und dann zu denken – naja, denken halte ich da für etwas übertrieben ausgedrückt. Wie war das noch: Studenten sind „Arschlöcher“ (wer hat da nicht alles vor der Bundestagswahl von Bildung als Ziel gesprochen). Bleiben wir doch mal logisch: Studenten sind Arschlöcher. Sarrazin hat studiert. Also….?

Dass sich Bundesbank-Chef Axel Weber jetzt von Sarrazin distanziert, ist für mich mindestens genauso peinlich wie scheinheilig: Wie kann denn jemand wie Sarrazin Mitglied des Bundesbank-Vorstands werden, trotz seiner dummen Sprüche vorher? Und da soll man Vertrauen zur Bundesbank haben?

Was lernen wir? Solche blöden Sprüche, für die jeder Normalbürger längst ein Verfahren bekommen würde, können sich nur Politiker und Bundesbank-Vorstände erlauben. Hauptsache, man „bedauert“ alles hinterher – und schon ist die Welt wieder in Ordnung.

Wann schickt man Herrn Sarrazin endlich ins Exil in die Türkei oder ins Kosovo? Ohne jegliche Abfindung und maximal zum Hartz IV-Satz, den der gute Mensch ja mal für völlig ausreichend bezeichnet hat. Allerdings dürfte fraglich sein, ob Türkei oder Kosovo einen solchen Sprücheklopfer einreisen lassen würden. Armes Deutschland, wir werden wohl mit Herrn Sarrazin weiter leben müssen. Aber bitte nicht in solchen Positionen!

Aber Sarrazin ist der lebende Beweis für den Wahrheitsgehalt eines alten deutschen Sprichworts: „Der dümmste Bauer erntet die dicksten Kartoffeln“. Wie wahr – und wie peinlich!

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Elmar FriebeDas ist ein Beitrag von: Elmar Friebe

Ausgebildet als Lehrer mit Zweitem Staatsexamen war ich in den 80er-Jahren von einem bundesweiten Einstellungsstopp betroffen. So landete ich Ende der 80-Jahre bei einem Computer-Magazin und bin seitdem als IT-Journalist tätig - und bereue es in keinster Weise. Dieser Blog ist eine rein private Webseite - und ich freue mich immer über interessante, positive oder kritische Kommentare zu den Beiträgen. Zu finden bin ich auch bei Google+ und bei Facebook.

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