Osram verteuert zum 1. September 2011 seine Energiesparlampen drastisch – Philips will am 1. Oktober folgen

31.8.2011: Ist das ein Zufall? Morgen werden die alten 60-Watt-Glühbirnen aus dem Verkehr gezogen, und pünktlich erhöht Hersteller Osram (Siemens-Tochter) die Preise für Energiesparlampen – nicht etwa um ein paar Prozent, sondern gleich um 20 bis 25 Prozent. Begründet wird das, so berichtet die Financial Times Deutschland ganz sachlich mit einem ebenso drastischen Anstieg von Rohstoffpreisen aufgrund steigender Knappheit. Philips, so der Bericht, will einen Monat später die Preise ebenfalls erhöhen. Gut nachvollziehbare Gründe werden im Bericht genannt, aber es bleiben auch einige kritische Gedanken übrig:

Dass Ölfirmen – natürlich auch immer aus guten Gründen – immer pünktlich zu Ferienzeiten ihre Benzinpreise erhöhen – nun, daran haben wir uns schon weitgehend und ohnehin ziemlich machtlos gewohnt (zumal von staatlicher Seite aus in dem Fall ohnehin nur Freude aufkommt als größter Mitverdiener). Nun schließen sich also auch die Lichthersteller an.

Osram zeigt eine ausgesprochen hohe Sensibilitiät, die Preiserhöhung mit dem Datum zu verbinden, der das Ende der 60-Watt-Glühbirnen bedeutet, oder? Dass da sofort Kritik und Nachfragen kommen, hätte klar sein müssen – Philips scheint da eine etwas cleverere Strategie zu verfolgen. Wer wird denn morgen zumindest einen Monat lang zu Osram-Birnen greifen? Ich denke, das wird ein zeitlich längeres Eigentor für Osram werden.

Ich schaue mir gerade mal die Tabelle an, die Stiftung Warentest in der aktuellen Ausgabe 9/2011 zum Test von Energiesparlampen ab Seite 64 veröffentlich hat: Osram ist da mit Note „Sehr gut“  bei den LED-Lampen vertreten – aber auch mit 45 Euro und ohne Dimmfähigkeit. Das ist es wirklich nicht wert…

Bei den Energiesparlampen führt Osram mit zwei Lampen in der Tabelle – die aber zumindest vom Preis her schon nicht mehr stimmt. Auf Platz 3 liegt da eine Lampe vom Hagebaumarkt – und die ist schon in der Tabelle deutlich preiswerter als Osram, nach der Preiserhöhung wird der Unterschied noch extremer. Wer glaubt denn wirklich, dass ich eine Osram-Birne für 9 oder 10 Euro kaufe, wenn ich eine nahezu gleich gute für ein Viertel oder Fünftel des Osram-Preises bekomme?

Wenn das Argument der Rohstoff-Knappheit stimmt, wie die FTD berichtet, dann haben meiner Meinung nach sowohl die europäische Politik durch die zugehörige Gesetzgebung als auch die Hersteller schon lange im Vorfeld versagt.

Es scheint immer mehr Beispiele für eine wenig durchdachte Vorgehensweise insbesondere der Politik zu geben:

  • Ausstieg aus der Atomenergie (Klasse!) – und die Alternativen? Dass die Strompreise steigen werden, ist nicht nur üblich, sondern nun so sicher wie das Amen in der Kirche…
  • Misslungene Vorgabe von E10-Benzin – und was nun? Die tolle Informationspolitik hat zu einer regelrechten Verweigerungspolitik durch die Autofahrer geführt (wobei ich mich da mal ausschließe inzwischen, da ich brav E10 tanke). Doch auch da schießen die Autofahrer ein Eigentor, denn nun sind Strafen der Ölfirmen fällig, die – wer hätte was anderes erwartet? – auf alle Autofahrer umgelegt werden. Toll!
  • Euro-Hilfen – ein Fass ohne Boden und vermutlich eine riesige Last für künftige Generationen. Was nützen grundlegende Verträge für die Gemeinschaft, wenn sich doch niemand daran hält? Ich glaube immer mehr, dass Träume von einem riesigen gemeinsamen  Europa und Ideologien der Politik hier Vorrang haben vor tatsächlichen wirtschaftlichen Umsetzungen. Aufnahmekriterien für neue Länder sind längst ebenso weich gespült wie Kriterien für die sogenannten Ausgangsländer, die für ihre wirtschaftlichen Schwächen natürlich Ausnahmeregelungen beanspruchen…

Und unter dem Strich gefragt: Wer zahlt für diese Unfähigkeit? Wer schon – immer wir Bürger und vor allem wir Verbraucher. Dass die Wirtschaft willkomene Chancen für Umsatzsteigerungen nutzen, kann man ihnen nicht wirklich vorwerfen – allenfalls das mangelhafte Geschick und kein Gespür für positive Öffentlichkeitsarbeit, wie Osram es gerade nachdrücklich beweist…

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Elmar FriebeDas ist ein Beitrag von: Elmar Friebe

Ausgebildet als Lehrer mit Zweitem Staatsexamen war ich in den 80er-Jahren von einem bundesweiten Einstellungsstopp betroffen. So landete ich Ende der 80-Jahre bei einem Computer-Magazin und bin seitdem als IT-Journalist tätig - und bereue es in keinster Weise. Dieser Blog ist eine rein private Webseite - und ich freue mich immer über interessante, positive oder kritische Kommentare zu den Beiträgen. Zu finden bin ich auch bei Google+ und bei Facebook.

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