Mörder von Anna Politkowskaja angeblich gefasst – doch die Frage nach den Auftraggebern bleibt offen

1.6.2011: Ich habe ja schon des öfteren über den Mord an der russischen Journalistin und Regime-Kritikerin Anna Politkowska berichtet, etwa hier und hier. Nach jüngsten Meldungen soll der mutmaßliche Haupttäter, der seit der Tat im Jahr 2006 auf der Flucht war, endlich gefasst worden sein, wie unter anderem die Süddeutsche berichtet.

Doch zum einen bestehen durchaus Zweifel, ob Rustam Machmudow wirklich der wahre Täter ist. So soll der Mann, der in einem Video zur Tatzeit zu sehen ist, deutlich größer sein als Machmudow. Und selbst wenn er sich als Täter herausstellen sollte – ob damit die Frage nach den Auftraggebern des Mordes jemals geklärt werden kann, dürfte angesichts eines – sagen wir mal – eher seltsamen russischen Justizsystems wohl kaum beantwortet werden. Wegen der ständigen Regime-Kritik der Journalisten kamen immer wieder Theorien auf, dass die Hintergründe für die Tat bis in den Kreml führen, sogar bis zur Spitze…

Dass Putin als Mitwisser oder Mittäter immer wieder erwähnt wird, ist längst nichts Neues: Man muss sich nur an die Ermordung von Alexander Litwinenko (übrigens auch im Jahr 2006…) in London erinnern. Litwinenko, ebenfalls bekennender Putin-Kritiker, wurde auf eine ganz perfide Art umgebracht – mittels eines radioaktiven Substanz namens Polonium 210. Der Mordfall wurde bis heute nicht aufgeklärt und ist immer noch Grund für Verstimmungen zwischen Großbritannien und Russland. Neueste Hinweise über eine mögliche Verstrickung von Putin sind bei der Veröffentlichung der jüngsten Wikileaks-Papiere aufgetaucht, wie Zeit Online berichtete. Und: Während die Briten schon seit Jahren die Auslieferung des mutmaßlichen Täters Lugowoi fordern, hat Moskau das bislang immer abgelehnt. Warum?

Bei RTL Crime gab es übrigens vor ein paar Tagen einen interessanten Beitrag zu dem Thema…

Einige interessante Hintergründe zum Geschehen um Anna Politkowskaja sind zum Beispiel bei Spiegel Online nachzulesen – der Verlust einer wichtigen Daten-CD zum Beispiel passt ins oft üble Bild einer russischen Justiz – ein Bild, das sich jüngst auch im Fall Chodowkowski gezeigt hat.

Und dass insbesondere Journalisten – zumindest wenn sie sich als kritische Journalisten zeigen – in Russland dauernd in Lebensgefahr leben, das habe ich schon mit einigen Beispielen in einem früheren Beitrag berichtet…

Da ich auch durchaus kritisch berichte, ist mir bei meinen Besuchen in Moskau auch nie so ganz wohl…

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Elmar FriebeDas ist ein Beitrag von:

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