Mehr Austritte aus der katholischen Kirche als je zuvor im Jahr 2010

6.4.2011:  Zum einen dürfte es ein deutliches Warnsignal an die katholische Kirche sein, wenn 180.000 Menschen die Gemeinschaft der katholischen Kirche verlassen, wie Spiegel Online heute meldet. Zum anderen sehe ich das eher als allgemeine Entwicklung, die eher pragmatisch bedingt ist, aber enorme Auswirkungen auf die katholische und die protestantische Kirche hat. Denn anders als im Spiegel-Bericht sehe ich nicht nur den Vertrauensverlust nach den Missbrauchs-Skandalen – oder besser: nach dem fragwürdigen Umgang der Kirchen-Oberen mit diesen Skandalen – als Grund für den Zuwachs an Austritten, sondern auch ganz handfeste finanzielle Gründe.

Sicherlich wenden viele der Kirche den Rücken, die mit dem, was dort passiert, unzufrieden sind. Die bekannten Missbrauch-Skandale innerhalb der katholischen Kirche liegen allerdings zum Teil schon Jahrzehnte zurück – dennoch wird mancher die späte und zunächst eher vertuschende Reaktion der katholischen Kirche bis hin zum Vatikan als so unzufriedend empfinden, dass er  (oder sie) der Kirche endgültig den Rücken kehrt.

Andererseits sollte man nicht unterschätzen, dass für viele Menschen 8 Prozent (in Bayern oder in Baden-Württemberg) bzw. 9 Prozent in den restlichen Bundesländern der Einkommensteuer eine Menge Geld darstellt. Vor allem in Zeiten, in denen zwar immer wieder vom Aufschwung (siehe Finanznachrichten ganz aktuell) geredet wird, der aber dummerweise bei den meisten Menschen nicht ankommt, in denen die sonstigen Lebenshaltungs-Kosten explodieren, ist jeder eingesparte Euro wertvoller denn je. Und die Kirchensteuer ist im Grunde eine Zwangssteuer wie der sogenannte Solidaritätszuschlag – nur im Unterschied zum letzteren kann man sich mit wenig Aufwand von der Kirchensteuer befreien.

Es klingt fast wie ein Hohn, dieses Gerade vom allgemeinen Aufschwung, der aber nur in den Kassen von Unternehmen und Betrieben hängenbleibt und dann in einem schwarzen Loch verschwindet. So haben beispielsweise Verlage, die besonders über die Finanzkrise geklagt haben, eine Menge zugelegt, etwa Gruner & Jahr, wie beispielsweise bei der Saarbrücker Zeitung nachzulesen ist.

Und wenn ich dann sehe, dass ich hier im Ort für zwei Mohnsemmeln bzw. Mohnbrötchen inzwischen einen Euro zahlen soll (nur mal so umgerechnet in alte D-Mark: Das sind fast zwei Mark!!!), dann kann ich nur noch den Kopf schütteln und den Bäckereien den Rücken kehren.

Ein anderes Beispiel sind die explodierenden Benzinpreise – und nach wie vor sind viele Pendler auf ihr Auto angewiesen. Und wer etwa hier im Münchener Bereich auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen will, muss zum einen mit einer überhand nehmenden Unzuverlässigkeit (siehe auch die Seite Pendler-Frust bei Facebook) und mit unglaublichen Preisen rechnen – meine Monatskarte für die S-Bahn etwa würde in D-Mark umgerechnet rund 260 Mark kosten – pro Monat! Mehr als 130 Euro also kostet sie – das sind wahrlich stolze Preise…

Kein Wunder, dass nun viele mit dem spitzen Bleistift rechnen und alle möglichen Einsparmaßnahmen gut durchdenken. Aber ich glaube nicht, dass der bisherige Glaube damit auch verschwunden ist.

Für die Kirchen ergibt sich damit auf Dauer wohl ein großes Problem, denn geht der Aderlass so weiter, dann ist christliche Tradition Schritt für Schritt  wirklich nur noch  Vergangenheit…

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Elmar FriebeDas ist ein Beitrag von: Elmar Friebe

Ausgebildet als Lehrer mit Zweitem Staatsexamen war ich in den 80er-Jahren von einem bundesweiten Einstellungsstopp betroffen. So landete ich Ende der 80-Jahre bei einem Computer-Magazin und bin seitdem als IT-Journalist tätig - und bereue es in keinster Weise. Dieser Blog ist eine rein private Webseite - und ich freue mich immer über interessante, positive oder kritische Kommentare zu den Beiträgen. Zu finden bin ich auch bei Google+ und bei Facebook.

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