Lachhaft und erbärmlich: Bundesumweltminister Altmeier kennt nur Strom sparen als Mittel gegen steigende Strompreise

10.10.2012: Eigentlich müsste man ja lachen über die sogenannte Stromsparinitiative von Bundesumweltminister Peter Alktmeier – nur vergeht einem das Lachen bei einem so ernsten Thema. Der Endverbraucher muss die verkorkste Energiewendenpolitik der Regierung schon jetzt so drastisch bezahlen, dass rund 600.000 Haushalte nicht mal mehr den aktuellen Strom bezahlen können. 2013 wird es noch einmal deutlich teurer. Und was rät der ach so kompetente Minister: Strom sparen. Schön, dass es kostenlose Energieberatungen geben soll. Doch wer schon heute kaum Geld hat, wird kaum die großen Stromfresser wie Kühlschränke entsorgen und neue Geräte kaufen können. Für mich ein neues Beispiel dafür, wie absurd die Politik inzwischen geworden ist und wie völlig inkompetente Leute an vorderster Front sitzen…

Vor allem gibt zu denken, dass Politik längst nicht mehr für die Menschen, sondern überwiegend für Unternehmen gemacht wird. Denn immerhin lassen sich mehr und mehr Unternehmen von der sogenannten EEG-Umlage befreien – das Erneuerbare-Energien-Gesetz macht es möglich.  Angeblich sind es derzeit schon rund 2000 Unternehmen, die von der Umlage befreit sind, wie etwa die Lübecker Nachrichten heute berichtet hat. Und es werden mehr und mehr – die Zeche dafür zahlt der Endverbraucher. Wer sonst.

Schon im Mai hat übrigens die Bundesnetzagentur diese Unternehmensbefreiung kritisiert, was – ein Schelm, der Böses dabei denkt! – natürlich erst nach der wichtigen Wahl in NRW bekannt wurde, wie etwa der Spiegel berichtete. Wie hieß es im Mai: „Einige hundert Firmen verbrauchen rund 18 Prozent des deutschen Stroms, zahlen aber nur 0,3 Prozent der Umlage für erneuerbare Energien.“ Inzwischen dürfte das Verhältnis noch viel ungünstiger sein für den Endverbraucher. Das führt den Begriff des „Volksvertreters“ völlig ad Absurdum. Oder? Völlig absurd auch, wenn etwa ein Solarunternehmen von der Befreiung profitiert. Willkommen in Absurdistan.

Nein, eine Entlastung für die Menschen hält Altmeier für unmöglich – gut, es müssen ja auch genug Milliarden an die völlig unschuldig fast bankrotten Staaten und in die Rettung von Banken gezahlt werden. Steuerentlastung? Sozialtarife? Nicht mit Altmeier und dieser Regierung. Der Endverbraucher ist doch selbst Schuld, wenn er Lebensmittel kühlt, TV schaut, Computer einsetzt, vielleicht sogar zum Schreiben von Bewerbungen… Und der Regierung ist die Industrie – und damit das Festhalten an der Umlagen-Befreiung – wichtiger als der Bürger. Wie sonst könnte man diese Mitteilung im September 2012 von Dr. Joachim Pfeiffer, Wirtschaftspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion verstehen?

Gut, Strom sparen ist wirklich eine Maßnahme, die nie verkehrt ist. Aber es muss auch die Möglichkeit geben, Alternativen bezahlbar zu erhalten. Für rund 600.000 Haushalte kommt der Rtaschlag eh schon zu spät – schade, Herr Altmeier, das sind wohl mindestens 600.000 mögliche Wählerstimmen weniger…

Was noch viel zu selten von Seiten der Endverbraucher genutzt wird, ist ein Wechsel des Stromanbieters. Einfach mal beispielsweise die Unterlagen der letzten Jahreabrechnung herauskramen und bei einer Vergleichsplattform wie Verivox den Check machen – dauert nur wenige Sekunden und liefert vielleicht überraschende Ergebnisse zum Sparen… Und der Wechsel ist mit wenigen Mausklicks erledigt…

Ach nein – so mancher „spart“ ja schon unfreiwillig Strom und kann gar nicht mehr ins Internet… Gut, da fällt ein Wechsel dann schwer…

Noch eines: Stromspar-Beratung ist übrigens keine brandneue Idee unseres so fantastisch kompetenten Bundesumweltministers. Das gibt es schon lange. Etwa bei Verbraucherzentralen. Ein Ergebnis der Bonner Studie der Vebraucherzentrale Nordrhein-Westfalen ist übrigens (ich zitiere aus dem Bericht): “ (…) dass Energieberatung zwar einerseits eine deutliche Verbrauchsreduzierung im Bereich -5-10 % erreichen kann. Dies wird aber nicht reichen, um eine erhebliche Budgetentlastung der einkommensbenachteiligten Haushalte zu erwirken und Stromsperren zu verhindern. Auch eine deutliche Verringerung des Stromverbrauches der Haushalte, wie sie in ambitionierten Klimaprogrammen gefordert werden, ist vermutlich durch eine Stromsparberatung allein nicht zu leisten.“

Schon mal was davon gehört, Herr Altmeier?

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Elmar FriebeDas ist ein Beitrag von: Elmar Friebe

Ausgebildet als Lehrer mit Zweitem Staatsexamen war ich in den 80er-Jahren von einem bundesweiten Einstellungsstopp betroffen. So landete ich Ende der 80-Jahre bei einem Computer-Magazin und bin seitdem als IT-Journalist tätig - und bereue es in keinster Weise. Dieser Blog ist eine rein private Webseite - und ich freue mich immer über interessante, positive oder kritische Kommentare zu den Beiträgen. Zu finden bin ich auch bei Google+ und bei Facebook.

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