Es ist schon irritierend, was da gerade an Mitteilungen zur Kundus-Affäre zum Vorschein kommt. Irritierend und erschreckend, wenn sich das auch noch als Wahrheit herausstellen sollte. Denn danach soll zum einen das Bundeskanzleramt schon vor dem Angriff auf die Tanklaster mit 142 Toten eine Eskalation (sprich: gezielte Tötungen) bewilligt haben. Zum zweiten soll der neue Verteidigungsminister zu Gutenberg durchaus umfassend informiert worden sein – von den beiden Verantwortlichen, die er wegen angeblichen Verschweigens entlassen hat. So ist es jedenfalls etwa heute bei Zeit Online zu lesen.
Hier nun einige Spekulationen (Spekulation deshalb, da ja noch keine Quellen genannt wurden):
Sollte an den Vermutungen etwas dran sein, dann ist die Affäre nicht nur ein Verstoß gegen das Mandat der Bundeswehr in Afghanistan, sondern dürfte auch ein schnelles vorläufiges Ende der politischen Karriere von zu Gutenberg darstellen. Denn sollte er sich wirklich trotz umfassender Informationen als Unwissender hingestellt und zwei Baueropfer mit Wolfgang Schneiderhan und Peter Wichert gemacht haben, dann wäre er nicht nur als Lügner überführt und politisch künftig untragbar, sondern gehört sogar angeklagt.
Sollte das Bundeskanzleramt in der Tat für eine Eskalationsstrategie gestimmt haben, die Oberst Georg Klein dann befehlsgemäß umgesetzt hätte und die die Tötung von Talibanführern zum Ziel gehabt hätte – auf Kosten von Unschuldigen -, dann sollten auch dort die Verantwortlichen mal wirklich zur Verantwortung gebracht werden.
Dass in dem Fall nicht nur Bundeskanzlerin Merkel, sondern auch der damals noch im Amt befindliche SPD-Außenminister und Vizekanzler Steinmeier einbezogen waren in solche Entscheidungen, dürfte auf der Hand liegen. Wie gesagt, immer unter dem Vorbehalt, dass die Vorwürfe stimmen. Dass sich dann, wie im oben verlinkten Artikel, führende SPD-Vertreter hinstellen und die Regierung kritisieren, wäre dann schon als Ironie zu bezeichnen. Der Angriff, man sollte es nicht vergessen, fand schließlich am 4. September statt – die Bundestagswahlen waren erst am 27. September…
Dass dieser Angriff nach offiziellen Zahlen 142 Tote gefordert hat, wird dabei leider viel zu oft vergessen.
Welche Folgen die Affäre haben kann, sollten die Vorwürfe stimmen, ist unabsehbar. Das Vertrauen in die Politik wäre dann sicher mehr als erschüttert. Eine Regierung, die gezieltes Töten von Menschen akzeptiert und das als Friedensmission bezeichnet, wäre für mich nicht haltbar. Denn so etwas hatten wir schon, und so etwas wünsche ich mir nie wieder…
[...] involviert sein musste, das habe ich schon am 12. Dezember in einem früheren Beitrag [...]