Karl-Theodor zu Guttenberg als deutscher Obama?

Ich finde es schon mehr als interessant, wenn etwa laut dem aktuellsten ARD Deutschlandtrend November 2010 rund 75 Prozent der Befragten mit der Arbeit des aktuelle Verteidigungsministers zufrieden sind und sich fast 60 Prozent vorstellen können, den smarten Karl-Theodor zu Guttenberg als Kanzelkandidaten antreten zu lassen. Und damit steht er weit vor Kanzlerin Merkel in der Beliebtheit. Auch in Bayern wird schon lange und offen über die Seehofer-Nachfolge names zu Guttenberg diskutiert. Doch scheinbar reicht in der heutigen Zeit ein smartes, medientaugliches  Aussehen bei den Befragten (vermutlich viele RTL2-Zuschauer darunter – warum, siehe später) aus, um so manche Ungereimtheit zu überdecken.

Wer sich vielleicht erinnert: Da gab es doch mal einen Luftangriff in Afghanistan mit vielen Toten, verantwortlich war die deutsche Bundeswehr. Ich habe mehrfach hier berichtet, siehe die Links am Ende des Betrags. Da gab es und gibt es noch immer ein paar Ungereimtheiten zur Rolle des neuen deutschen Heilsbringers – war er nun informiert oder nicht? War der Luftangriff nun angemessen, wie zu Guttenberg erst behauptete und dann abstritt?  Dazu mal ein Beitrag der Tagesschau, der es mehr als Wert ist, sich ins Gedächtnis zu rufen und noch einmal in aller Ruhe nachgelesen zu werden.

Es war ja auch eine Frechheit des geschassten Generalinspekteurs Wolfgang Schneiderhan zu behaupten, das Ministerium – und damit auch zu Guttenberg – sei per Bericht informiert gewesen. Welch ein Glück für den neuen Verteidigungsminister, dass von höchster Stelle, nämlich vom Bundesgerichtshof (BGH), entschieden wurde, dass er im Untersuchungsausschuss nicht mit Schneiderhan & Co. persönlich konfrontiert wurde, wie es zu Sommeranfang 2010 von der Opposition gefordert wurde. Nachlesen kann das jeder bei Zeit Online.

Spätestens da schellen zumindest bei mir alle Alarmglocken in Bezug auf die Glaubwürdigkeit des deutschen Heilsbringers.

Gut, seitdem hat zu Guttenberg eine Menge an medienträchtigen Auftritten gehabt, mal elegant mit Fliege wie etwa bei den Bayreuther Festpielen, mal leger. Und immer smart wie James Bond. Das scheint bei vielen anzukommen. Dazu eine blonde Frau an seiner Seite, die sich in jüngster Zeit – bei allem ehrlichen Engagement, das ich hier hoch anrechne! – vor allem dabei hervorgetan hat, in Kooperation mit dem Privatsender RTL2, Kinderschänder an den Pranger zu bringen und dabei alles zu vergessen, was man sich in Deutschland in vielen Jahrzehnten mühsamst an Datenschutz und Bürgerrechten erarbeitet hat – so habe ich es gehört, denn zu meinem „Bedauern“ muss ich gestehen, dass ich bislang keine der „Jagd-den-Kinderschänder“-Sendungen „Tatort Internet“ gesehen habe, weil ich dieses Format von vornherein in so hoch-intellektuelle Schubladen wie „Big Brother“ oder „Dschungelcamp – ich bin ein Depp und lasst mich weiter drin“ einsortiert hatte. Und auch die so genannten Medienwächter beschäftigen sich aktuell mit dieser Sendung.

Mal auf die Schnelle hat zu Guttenberg auch die Wehrpflicht abgeschafft. Dummerweise hat er dabei wohl vergessen, dass dies auch Auswirkungen auf den Zivildienst hat, der vor allem im sozialen Bereich eine Menge bewirkt. Schon eine Lösung für den Dienst an Alten oder Kranken parat? Da habe ich bislang im Zusammenhang mit zu Guttenberg noch nichts entdecken können… Hab ich was übersehen?

Wollen rund 60 Prozent wirklich ein solches Paar an der Spitze der Republik?Ich denke, der Schein trügt hier mal wieder ganz gewaltig… Das musste ja auch Präsident Obama aktuell erleben…

Hier wie angekündigt ein paar Links zu früheren Beiträgen zur Kundus-Affäre:

Kundus-Affäre: War gezielte Tötung der Taliban das wahre Motiv
Kundus-Luftangriff: Töten der Taliban war ein Ziel!
Was ist ein Leben Wert? In Afghanistan kostet ein Leben weniger als 5000 Dollar
Minister Jung tritt zurück: Ein Rückblick – oder wer trägt Verantwortung?
Präsident Obama schickt Killer-Kommandeur McChrystal endlich in die Wüste

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Elmar FriebeDas ist ein Beitrag von:

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Ein Kommentar

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  1. 1
    Jakob.F

    Der Vergleich mit Obama scheint auch sehr banal. Wenn in einem Land wirklich nur die Ausstrahlung Wahlen gewinnt ist es wohl egal welcher Kandidat am Ende vorne steht. Das Land ist so oder so verloren. Ich hoffe, dass es in den USA damals nicht der Fall war und bin auch noch leicht optimistisch für Deutschland.



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