Immobilienkauf mit Hindernissen: Vorsicht, Makler im Spiel!

Seit einigen Monaten versuche ich, hier in Bayern eine Wohnung zu kaufen, sozusagen als Altersruhesitz. Eigenkapital ist vorhanden, ein Preislimit ist gesetzt, also auf  in die Suche über alle möglichen Quellen, natürlich auch über das Internet. Und da erlebt man so manche Stolpersteine, und vor allem die beteiligten Makler rauben mir so langsam den Nerv. Hier ein paar Stolpersteine  – davon einige schier unglaublich -, die ich bisher erlebt habe.

Betrüger sind unterwegs, auch im Internet: Über einen solchen eher diletttantischen Betrugsversuch habe ich ja schon berichtet. Manchmal merkt man aber auch erst später, dass etwas nicht stimmt. So habe ich mir mal eine Wohnung angeschaut, die mir eigentlich sehr gut gefallen hat, auch nach der ersten Besichtigung. Danach habe ich alle vorhandenen Unterlagen angefordert – und was ich da bekam, hat mich erst einmal schier erschlagen. Also: Fachmann ins Boot geholt. Zwischendurch hatte mich schon gewundert, dass ich den Preis enorm drücken konnte über den Makler. Dann habe ich alle Unterlagen an den Fachmann weitergeleitet. Sein erschreckendes Urteil: Finger weg, da erwirbt man nur Sondernutzungsrecht, aber kein Wohneigentum. Kann man das als versuchter Betrug bezeichnen? Die Ausgabe für den Fachmann hat sich da schon mehr als gelohnt – für mich ein klarer Tipp: Wer eine Wohnung erwerben will, sollte nie auf die Beratung eines unabhängigen Sachverständigen verzichten. Die kleine Ausgabe rentiert sich auf jeden Fall!

Dann sind es weitere Kleinigkeiten, die mich ausgesprochen nerven, wenn ein Makler im Spiel ist: So werden Wohnungen im Internet angeboten, man signalisiert sein Interesse per angegebener Mailadresse – und keinerlei Reaktion erfolgt, als würde der Makler nie seine E-Mails kontrollieren. Erfolgt nach spätestens zwei Tagen keine Reaktion: Finger weg, der Makler ist völlig unten durch und als Geschäftspartner völlig inakzeptabel. Das ist inzwischen auch mein Test: Erfolgt innerhalb zwei Tagen kein Rückruf, handelt es sich einfach nicht um einen seriösen Makler. Und so einer will vielleicht mein Geld? Nie im LebenI

Ein anderes Beispiel: Ein Besichtigungstermin ist ausgemacht, meine Handynummer ist beim Makler bekannt. Ich bin pünktlich da – nur kein Makler weit und breit. Etwas Wartezeit ist ja drin, man kennt ja die Unwägbarkeiten des Straßenverkehrs. Aber nach fast dreißig Minuten ist die Geduld am Ende. Nochmals zehn Minuten ruft doch tatsächlich der Makler an und wundert sich, dass ich nicht an der Wohnung bin. Hey – 40 Minuten zu spät. Der soll von mir aus Brot verkaufen, als Makler ist so jemand völlig inakzeptabel. Er kannte nachweislich meine Handynummer und den Termin, warum hat er nicht früher angerufen? Einfach nur unseriös. Finger weg!

Noch ein Beispiel: Termin zur Wohnungsbesichtigung. Sah im Internet anhand der Fotos gut aus. Dann gleich im ersten Zimmer ein deutlich sichtbarer Wasserschaden. „Habe ich Ihnen das nicht schon am Telefon gesagt?“ Nein, leider nicht, sonst wäre ich ja gar nicht erst gekommen. Da hat der Makler schon sofort verloren – und ich leider viel Zeit und Aufwand.

Und noch ein Beispiel: Die Bilder im Internet sehen recht gut aus (aber Vorsicht: Manche Makler fotografieren bewusst mit Weitwinkel, um nicht vorhandene Größe vorzugaukeln), also Besichtigungstermin ausgemacht. Am Telefon wird auch eine feste Adresse ausgemacht. Man ist ja nicht blöd, schaut sich die Gegend über ein Programm wie Google Maps an. Sieht gut aus. Das böse Erwachen dann beim Treffpunkt: Natürlich ist die Wohnug ganz woanders und bei weitem nicht dort, was man als gute Adresse angegeben hat (dies gilt übrigens auch für die Suche nach Mietwohnungen, da gibt es eine Immobilienfirma mit dem Namen Bayerns im Firmennamen in der Nähe von München, die generell Treffpunkte nur entfernt vom wirklichen Ziel festlegen) – solche Firmen sind für immer tabu und völlig unakzeptabel. Finger weg!

Noch ein Beispiel: Gut, wenn ich eine Wohnung mieten will, dann kann ich notgedrungen in Bayern akzeptieren, dass ein Makler mehr als einen Interessenten gleichzeitig zur Besichtigung einlädt. Nur wenn ich eine Wohnung kaufen will – und da geht es schon um einiges an Euro -, dann bin ich einfach nur sauer, wenn gleich mehrere Kaufwillige zur gleichen Zeit vorhanden sind. Spätestens dann hat der Makler bei mir verloren – ich würde ja die Maklerprovision bezahlen (die habe ich im Finanzplan schon einkalkuliert), aber wenn es sich solch ein Makler so einfach machen will, dann ist er bei mir unten durch. Er muss sich sein Geld schon verdienen – so wie ich es auch mit meiner Arbeit tun muss. Wenn er dann noch – es sind ja mehrere Kaufwillige vorhanden – die Beteiligten unter Zeitdruck setzen will, dann gerät das für mich eher in den Bereich versuchter Betrug. Ach ja, der Zeitdruck: Das habe ich schon mehrfach erlebt, dass mir ein Makler so etwas vermitteln wollte. Nur wenn ich ganz schnell zahle, dann ist der Eigentümer zu dem oder dem Preis bereit. Mein Tipp: Sofort vergessen und was anderes suchen – das ist einfach bei solchen Summen nur unseriös.

Und noch ein Beispiel: Eine Wohnanlage aus Wohnungen und Häusern. Sieht gut aus, doch bei der Besichtigung bemerkt man etliche Schäden, die von der Eigentümergemeinschaft zu zahlen wären. Und erst dann rückt der Makler auf gezielte Nachfrage mit dem Hinweis heraus, dass die Rücklagen ausgesprochen gering sind. Auf gut Deutsch: Da ist mit gewaltigen Sonderzahlungen zu rechnen, die auf jeden Eigentümer zukommen bei Reparaturen, selbst wenn sie die eigene Wohnung gar nicht betreffen. Finger weg! Schade um die Zeit für die Besichtigung.

Manche Makler schicken einem auf Nachfrage nach Protokollen der Eigentümerversammlungen gerade mal ein Protokoll, das letzte – auch das ist unseriös und ein Zeichen dafür, dass man sofort Abstand nehmen sollte. Wer nicht in der Lage ist, mindestens die letzten fünf Protokolle zu liefern, ist nur auf schnelles Geld aus – und in der Wohnung wird man dann schnell nur Ärger haben. Besser sind die letzten zehn Protokolle – nur dann kann man sich einen Eindruck verschaffen, was in der Anlage geschehen ist und was bald anstehen kann.

Verschwiegen wird von Maklern auch so manches, was man dann über das Internet recherchieren kann (sofern man es denn wirklich herausfindet). So habe ich mir mal eine wirklich nette Wohnung angeschaut. Doch bei meiner Recherche habe ich dann herausgefunden, dass da bald direkt am Haus wegen Ausbau einer Bahnverbindung  über etliche Jahre extreme Bauarbeiten stattfinden würden. Ruhe ist da was anderes. Wenn ich das anhand der öffentlichen Planungen erfahren konnte, dann wusste der Makler davon auch etwas – nur hat er kein Wort darüber verloren. Wirklich vertrauensbildend…

Wenn ich nun meine Erfahrungen hier mit dem vergleiche, was mir entsprechende Sendungen im TV der Privatsender vermitteln wollen, dann sind das völlig konträre Welten – schöne heile Welt im TV und die böse Wirklichkeit.

Gut, vielleicht habe ich bisher auch nur schlechte Erfahrungen gemacht. Etwa mit einem Makler, der – wie sich erst beim Besichtigungstermin herausstellte – auch der Eigentümer der Wohnung war. Und der alles versuchte, meine Gespräche mit den aktuellen Mietern zu unterbinden. Was ihm aber nicht glückte, weil ich hartnäckig war – und so von Schäden (und damit Zusatzkosten) erfuhr, die mir der Besitzer verschweigen wollte. Ich habe gerade mal nachgeschaut im Internet: Die Wohnung ist immer noch zu haben…

So mancher Makler, dem ich mein (durchaus nicht geringes) Preislimit mitteile, verkündet sofort abschätzig: „Na, für den niedrigen Preis werden Sie aber keinerlei Angebote finden!“. Hey, zum einen stimmt das nachweislich nicht, zum anderen ist ein solcher Makler bei mir gleich unten durch wegen seiner Überheblichkeit. Für mein Preislimit bekomme ich in anderen Gegenden in Deutschland auch eine Neubauwohnung – und solche Deppen können mir daher gestohlen bleiben, meinen Altersruhesitz kann ich ja  auch dann noch kaufen. Auf solche Idioten kann ich wirklich verzichten – und etwas kaufen kann ich auch, wenn ich in Rente gehen. Solche Deppen brauche ich dann wirklich nicht.

Man merkt es: Im Moment bin ich auf Makler in Bayern, genauer auf Makler rund um München, nicht gut zu sprechen. Aber ich denke, die bisherigen Erlebnisse begründen meine durchweg schlechte Meinung. Im Moment bin ich es fast leid, hier nach einer Eigentumswohnung zu suchen. Irgendwie kommt mir die Fernsehsendung „Nepper, Schlepper, Bauernfänger“ in den Sinn, wenn ich an die bisher erlebten Makler denke… Makler ist ja auch nicht wirklich ein geschützter Begriff, wenn ich recht überlege – reicht da nicht ein Gewerbeschein für ein paar Euro? Ich denke,  meine schlechte Meinung kann man anhand der bisherigen Erfahrungen nachvollziehen.

Nachtrag: Eine Wohnung habe ich nun gefunden, sogar ohne Makler…

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Elmar FriebeDas ist ein Beitrag von: Elmar Friebe

Ausgebildet als Lehrer mit Zweitem Staatsexamen war ich in den 80er-Jahren von einem bundesweiten Einstellungsstopp betroffen. So landete ich Ende der 80-Jahre bei einem Computer-Magazin und bin seitdem als IT-Journalist tätig - und bereue es in keinster Weise. Dieser Blog ist eine rein private Webseite - und ich freue mich immer über interessante, positive oder kritische Kommentare zu den Beiträgen. Zu finden bin ich auch bei Google+ und bei Facebook.

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