Griechenland ist pleite – und verärgert Deutschland (und mich) mit NS-Vorwürfen

Wer hier in Deutschland an Griechenland denkt, dem fallen zunächst Begriffe wie Demokratie, Philosophen, Wissenschaftler und Literaten wie Platon, Pythagoras oder Homer ein. Und man denkt an wunderbare Inseln im Mittelmeer, die einen Traumurlaub versprechen. Naja, heute denkt man auch an die aktuelle Situation, in der Griechenland so gut wie pleite ist und aus lauter Verzweiflung ausgerechnet Deutschland heftigst attackiert – natürlich wieder mit Bezug auf die Nazi-Zeit, die weit vor meiner Geburt lag. Unrühmliches Beispiel ist der Vize-Ministerpräsident Theodoros Pangalos – wer solche reaktionären und extrem dumme Menschen in hohen Ämtern hat, muss sich nicht wundern, wenn es dem Staat nicht gut geht. Oder?

Was wirft uns dieser ominöse Vize-Ministerpräsident Theodoros Pangalos eigentlich vor? Um eine eher unparteiische Berichterstattung nachlesen zu können, habe ich diesen Bericht hier beim Standard aus Österreich gefunden. Da kann man ja als Reaktion nur konstatieren: Wenn solch minderbemittelten Leuten nichts anderes mehr einfällt, dann ziehen sie die NS-Karte aus dem Ärmel, egal, wie lange das auch schon zurückliegen mag.

Früher mögen die Griechen, wie die Sage es erzählt, ja listig gewesen sein – Troja lässt grüßen -, doch was sich da gerade abspielt, hat nichts mit List zu tun und hätte ein Homer bestimmt nicht zu Papier gebracht. Schlimm ist nur, dass sich manche Leute in Griechenland diesem Herrn Pangalos gleich anschließen. Eine Verbraucherorganisation (INKA) soll angeblich zum Boykott deutscher Produkte aufgerufen haben.

Hey, Leute, wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen. Ein wichtiger Bereich der griechischen Wirtschaft ist der Tourismus – und was geschieht, wenn die Deutschen ausbleiben in Athen, auf Kreta, auf Kos, auf Rhodos? Und das wird passieren, wenn die angestoßene „Kritik“ nicht bald aufhört – die von Griechenland so überaus geschätzte Türkei dürfte sich über viele zusätzliche Touristen aus Deutschland freuen. Zumal man ja auch nur diverse Reisekataloge wälzen muss, um schnell festzustellen, dass ein Sommer-Urlaub in der Türkei meist preiswerter ist als irgendwo in Griechenland.

Dieses Jahr hatte ich dennoch mit einem Kurzurlaub im Sommer auf Korfu geliebäugelt, wo ich schon einmal vor rund 30 Jahren zu einem wunderbaren Urlaub war, weil ich neugierig bin, wie es sich dort inzwischen entwickelt und was sich alles verändert hat. Im Moment habe ich diese Idee erst einmal beerdigt (um ganz ehrlich zu sein: Die Preise schrecken mich zuerst ab, erst dann die aktuelle Situation). Und ich denke, ich bin da durchaus keine Ausnahme. Mich zieht es allerdings nicht in die Türkei, es gibt auch noch andere Urlaubsziele…

Es wird bestimmt noch interessant, wenn noch mehr Details über diese „griechische Affäre“ bekannt werden – ich meine damit die Verstrickung US-amerikanischer Banken. Warum wundert es mich nicht, dass es US-Banken waren, die jetzt im Zusammenhang mit der griechischen Pleite-Situation genannt werden? Wieder einmal die USA, unser weltweiter Freund und Helfer und Kriegsverursacher…:sad: Irak, Afghanistan – was kommt als nächstes? Iran? Jemen? Nordkorea? Altes Europa?

Und um ehrlich zu sein: Auch wenn ich weiß, dass es objektiv schlechter für die EU wäre, Griechenland nicht zu stützen, finde ich es nicht richtig, dass der deutsche Steuerzahler (und damit ich auch!) für den Blödsinn zahlen soll, den die griechische Politik da im Verlauf vieler Jahre angerichtet hat. Womöglich zahlen wir dann auch noch, damit US-Banken Geld zurückbekommen. Ein unerträglicher Gedanke.

Zumindest würde ich bestimmte Bedingungen an Zahlungen festlegen – und eine davon wäre sicherlich die Entsendung des Vize-Präsidenten in eine weit entfernte Wüste… ;-) Hier in Deutschland wollen wir solche Leute jedenfalls nie wieder sehen!

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Elmar FriebeDas ist ein Beitrag von: Elmar Friebe

Ausgebildet als Lehrer mit Zweitem Staatsexamen war ich in den 80er-Jahren von einem bundesweiten Einstellungsstopp betroffen. So landete ich Ende der 80-Jahre bei einem Computer-Magazin und bin seitdem als IT-Journalist tätig - und bereue es in keinster Weise. Dieser Blog ist eine rein private Webseite - und ich freue mich immer über interessante, positive oder kritische Kommentare zu den Beiträgen. Zu finden bin ich auch bei Google+ und bei Facebook.

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