Fußball-WM und FIFA in der Kritik: Schwache Schiedsrichter, unerträgliche Vuvuzelas, leere Stadien

Es fehlt noch ein Spiel zum Abschluss des zweiten Spieltages der Vorrunde, das in wenigen Sekunden beginnt: Spanien spielt noch gegen Honduras. Aber die Kritik an der Weltveranstaltung Fußball-Weltmeisterschaft wächst und wächst – und die vorgebrachten Kritikpunkte sind auch durchwegs berechtigt, wie ich meine. Im Fadenkreuz der Kritiker sind zum einen die bisher gezeigten Schiedrichterleistungen, zum anderen das schier unerträgliche Getröte der unsäglichen Vuvuzelas, und zum dritten fällt auch auf, dass durchaus viele Stadien nicht besonders gut gefüllt sind, auch wenn uns die TV-Weltregie das zu verheimlichen versucht. Ab und zu werden aber doch die Besucherzahlen genannt – und die kann man unschwer vergleichen mit den möglichen Fassungsvermögen der Stadien, wenn man sich denn die Mühe macht.

1. Schiedrichterleistungen:

Überdenkenswert wäre zum ersten, ob in einer Welt des Profifußballs der globale Gedanke, auch kleine Verbände mit Schiedrichteraufgaben zu betreuen, noch seine Berechtigung hat. Ein Schiedrichter der Seychellen ist sicher nicht besonders oft mit internationalen Aufgaben wie bei einer WM beauftragt. Wobei ich nichts gegen Schiedsrichter der Seychellen habe – nur halte ich es mal wieder für einen Fehler der Alten-Männer-Truppe der FIFA, hier nicht schon im Vorfeld diese Schiedsrichter etwa bei Spielen in der spanischen, italienischen, argentinischen oder oder deutschen Liga öfters einzusetzen und so zu schulen. Aber das dürfte der FIFA zu teuer sein, solchen Schiedsrichtern die Erfahrung zu vermitteln, die sie im Grunde für eine WM benötigen.

Erstaunlicherweise betreffen heftigst diskutierte Entscheidungen vor allem europäische Mannschaften, etwa bei beim zweiten Spiel Deutschlands oder heute beim zweiten Spiel der Schweiz. Gut, der Schiedsrichter im Deutschlandspiel kam aus dem unbedeutenden Spanien, sein Name ist Undiano, und der kennt (vielleicht aus der spanischen 18. Liga?) nur ein Mittel: Jedes Foulspiel ist mindestens eine gelbe Karte Wert. Die Altmänner-Riege der FIFA wird sich vor Verzücken die Hände gerieben haben, wie tapfer der spanische neue Don Quichote ihre Vorgaben erfüllt hat.

2. Lärm:

Andere Länder, andere Sitten – das mag ich gerne gelten lassen. Aber wenn durch das unerträgliche Getröte nicht nur der Großteil der Zuchauer genervt und abgestoßen wird, sondern vor allem wenn sich die Spieler (oder der Trainer mit den Spielern) wegen des Lärms nicht mehr akustisch, sondern nur noch mit Zeichensprache verständigen können, dann ist eine Grenze des Zumutbaren eindeutig überschritten. Was da derzeit am TV flimmert, hat mit Spaß und Stimmung bei mir soviel zu tun wie Baden im Meer bei minus 20 Grad. Also mich schüttelt es dabei, und ich schalte inzwischen bei den meisten Spielen den Ton fast völlig aus. Schade um die Kommentatoren, die sich die Seele aus dem Mund reden, um uns Zuschauer zu unterhalten… Wobei ich gestehen muss: Bei der ARD ist ein Reporter dabei, bei dem ich wirklich nicht böse darüber bin, wenn ich ihn nicht höre. Der versprüht eine Stimmung wie bei einer Beerdigung durch sein überaus monotones Sprechen.

3. Leere Stadien:

Angeblich waren ja vor der WM alle Spiele ausverkauft – aber vielleicht haben viele Zuschauer auch etwas Besseres zu tun, als ins Stadion zu gehen. Viele Plätze bleiben mit Ausnahme der Spiele Südafrikas durchaus leer. Hier zeigt sich wieder einmal, dass  sich die FIFA mal wieder verrechnet hat. Inzwischen werden viele Gründe genannt, warum die Stadien leer bleiben, aber natürlich ist vor allem der Fan daran Schuld, wie die FTD ironisch anmerkt…

Sei es drum: Diese WM mit fehlendem Esprit und vor allem um nervender Vuvuzela-Stimmung wird bei mir vor allem einen Wunsch in Erinnerung lassen: So schnell bittte keine WM mehr nach Afrika vergeben, mag Blatter dort auch noch so sehr seine Stimmen für irgendwelche Wahlen suchen. Als überzeugter Fußball-Fan habe ich derzeit schon die Nase voll von der WM  und beschäftige mich lieber im Garten oder am Computer, als am TV den Spielen zuzuschauen.

Dabei spielt es keine Rolle, ob Deutschland nun nach der Vorrunde ausscheidet (was ich eh nie ausgeschlossen habe angesichts der Leistungen der letzten beiden Jahre, auch wenn ich das Spiel gegen Australien nur loben kann!) oder weiter im Turnier ist.

Was mich am meisten ärgert, ist die Scheinheiligkeit der FIFA, die eindeutige Handspiele und damit eindeutige Schiedsrichterfehler wie etwa im Qualifikatoinsspiel Frankreich gegen Irland oder gestern im Spiel Brasilien gegen die Elfenbeinküste als Tatsachenentscheidung hinstellt und angeblich keine Maßnahmen möglich seien. Denn dass es auch anders geht, hat die FIFA nachweislich bewiesen: So wurde etwa in der Quaklifakation zur WM 2006 das Rückspiel zwischen Usbeskistan und Bahrain nach einem Schiedsrichterfehler annuliert und ein Wiederholungsspiel angesetzt. Aber so etwas ist für die unerträgliche FIFA-Gruppe wohl nur bei so kleinen Verbänden wie Usbeskistan und Bahrain möglich. Vermutlich haben die wohl keinerlei Stimmrecht…:evil:

Erstaunlich: Viele merkwürdige Entscheiden fallen gegen europäische Teams, und südamerikanische Teams sind davon weniger betroffen. Ob das ein Grund dafür ist, dass die bislang kein Spiel verloren haben (naja, Honduras im weitesten Sinne war heute chancenlos gegen Spanien), oder ist Südamerik einfach viel besser? Die Schiedsrichter werden es schon richten…

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Elmar FriebeDas ist ein Beitrag von:

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