Focus-Chefredakteur Helmut Markwort nennt Kritik an Sarrazin eine Ketzerjagd

So gerne ich montags den Focus und das Tagebuch von Helmut Markwort lese, so sehr konnte ich diesmal nur den Kopf schütteln, als ich das aktuelle „Tagebuch“  des Focus-Chefredakteurs las. Sarrazin, so ist da zu lesen, werde von selbst ernannten Wächter der deutschen Sittenpolizei „aus dem Kreis der anständigen Menschen“  versucht auszustoßen. Und Sarrazin ist ja äußerst anständig, denn er „schildert die Wirklichkeit, die er recherchiert hat“, so wörtlich weiter. Gut, seine Wortwahl gehört sicher zu den „Stilmitteln des Pamphlets“, meint Markwort, aber „dass er sich kräftig und pointiert ausdrückt“, so Markwort weiter, gehöre zu den „Grundrechten der Meinungs- und Gedankenfreiheit“. Da fällt mir doch ein, was ich bei Wikipedia mal zum Stichwort Pamphlet gelesen habe: „Ein Pamphlet oder Schmähschrift ist eine Schrift, in der sich jemand engagiert und oft polemisch zu einem wissenschaftlichen, religiösen oder politischen Thema äußert. Die sachliche Argumentation tritt dabei in den Hintergrund; die leidenschaftliche Parteinahme gegen eine Sache hingegen überwiegt bei der Argumentation. Die Herabsetzung einer anderen Person wird dabei billigend in Kauf genommen oder ist sogar das eigentliche Ziel des Pamphlets.“ Nur hat Sarrazin, so weit ich weiß, sein Buch bisher nicht als Pamphlet bezeichnet…

So oft ich bei manchen Tagebüchern von Herrn Markwort zustimmen und nicken musste, diesmal gibt mir dieses Tagebuch zu denken. Dass es Misstände bei der Integration gibt, steht sicher außer Frage, doch es gibt genügend Beispiele dafür, dass Sarrazin weder gut recherchiert hat noch dass er sich pointiert ausdrückt. Gut, bei einem Pamphlet tritt ja die sachliche Argumentation eh in den Hintergrund… Hat Sarrazin dann in den letzten Jahren nur Pamphlete von sich gegeben? Es sind nachweislich falsche „Fakten“ in dem Buch, auch wenn im Tagebuch nur von „zusammengetragenen Fakten“ durch Sarrazin die Rede ist.

Es hilft auch nichts, die Kritiker an Sarrazins Äußerungen (und dazu zähle ich mich bekanntlich auch) als „Verbieteriche“ zu bezeichnen, an deren Spitze oft diejenigen stehen, “ die selber am liebsten mit Grobheiten und Simplifizierungen diskutieren“. Ja, deshalb kann man ja auch im Tagebuch sagen, dass manche Leute Sarrazin kritisieren, „die ihm an Intelligenz und analytischer Fähigkeit um Klassen unterlegen sind“. Oh- nur Genossen sind gemeint – gut dass ich keiner bin…

Das nenne ich nun in der Tat eine Diskussion mit Grobheit und Simplifizierung und ist sicher wieder mal als Pamphlet gemeint, denn sachlich und faktisch belegbar ist das nicht gerade.

Spannend finde ich dann den Vergleich von Thilo Sarrazin mit Martin Luther. Erleben wir also eine neue Reformation – diesmal aber nicht gegen den Katholizismus und insbesondere den Ablasshandel, sondern gegen den Islam und insbesondere die Kopftücher, die Herr Sarrazin nicht mag?  Ich hoffe doch, dass die Lehren der Zeit von 1618 bis 1648 gezogen sind und sich so etwas nicht wiederholt.

Vielleicht nur ein Aspekt am Rande: Als Vorstand der Bundesbank muss sich Sarrazin auch mit allen Folgen der Globalisierung zugunsten der Bundesbank auseinandersetzen. Dass ein winziger Teil der Globalisierung auch in der Möglichkeit der Zuwanderung anderer Menschengruppen besteht… Nun, ja….

Denkt man etwa auch daran, dass etwa in der Zeit zwischen 750 bis 1250, der Blütezeit des Islam, arabische Wissenschafter führend in der Welt waren, während Europa einen dumpfen Dämmerschlaf vollbrachte, dass etwa durch die Araber in Spanien schon im 10. Jahrhundert in Spanien mit Cordoba oder Sevilla allgemein zugängliche Hochschulen eingerichtet wurden, was im sonstigen Europa damals undenkbar war, dann sind mir polemische und über einen Kamm scherende  Aussagen wie von Sarrazin nach wie vor fragwürdig einzustufen. Aber ich vergaß, ich bin ja nur ein dummer Verbieterich…

Nachtrag um 23:24 Uhr: Gerade finde ich zum Thema „Fakten und Sarrazin“ einen interessanten Artikel bei Zeit Online – einfach lesenswert!

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Elmar FriebeDas ist ein Beitrag von:

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