E-Postbrief der Deutschen Post: Umständliche Anmeldung, völlig inakzeptable AGB

Klar – als epost zur Verfügung stand, habe ich mir gleich mal meine  persönliche kostenlose E-Mail-Adresse gesichert. Das geht ja online ganz einfach – denkt man. Denn der ganze Rattenschwanz, der danach kommt, geht einem extrem auf die Nerven. Im einzelnen: Online anmelden.Toll, meine persönliche epost-Adresse habe ich rechtzeitig gesichert! Denke ich. Gut, das war nicht schwierig, gibt es doch wohl in Deutschland nur zwei Menschen meines Namens. Dann heißt es aber warten, bis ein Schreiben mit einem Registrierungscode kommt. Fertig? Von wegen: Jetzt soll man sich ein PDF zum Postidentverfahren ausdrucken und damit zur nächsten Postfiliale gehen. Das, muss ich gestehen, habe ich bis heute noch nicht getan. Immerhin: Heute schon wieder ein Brief der Post, in dem nachdrücklich darauf hingewiesen wird: „Die Durchführung des POSTIDFENT-Verfahrens ist sowohl Voraussetzung für die Freischaltung Ihres Nutzerkontos im E-POSTBRIEF Portal der Deutschen Post AG sowie für die Freischaltung Ihres Guthabenkontos der Deutschen Post Zahlungsdienste GmbH“. So wörtlich im heute erhaltenen Brief der Post. Guthabenkonto? Bekomme ich eine Prämie für die Anmeldung? Auf den Online-Seiten war davon nichts zu lesen…Inzwischen wachsen vermehrt die Zweifel an diesem Dienst der Deutschen Post – und in vielen Blogs gibt es schon satirische Beiträge darüber (siehe Link 1). Mit all dem Aufwand kann ich das wahrlich bestens verstehen. Völlig unglaublich sind dabei die Hinweise auf die AGB (siehe Link 2) für den famosen epost-Dienst – hoppla, wo waren die AGB eigentlich bei der „kostenlosen Anmeldung“ nachzulesen? Irgendwie habe ich die wohl völlig übersehen. Gelesen hatte ich nur etwas von „Bedingungen zur Adresssicherung“ – und die waren zunächst nicht sehr bedrohlich…

Bedingungen der Adresssicherung

Zum Glück haben sich andere wie der Journalist Richard Gutjahr (siehe Link 3) mal genauer angesehen, was da die Post in den AGB zusammengestellt hat. Hier mal einige ausgewählte Punkte in aller Kürze (mehr dazu im Artikel, der in Link 3 genannt wird), die mich jetzt doch dazu bewegen, den epost-Dienst der Deutschen Post zu überlassen und auf das Postidentverfahren und damit auf epost insgesamt zu verzichten:

  • Der epost-Nutzer wird dazu aufgefordert, mindestens einmal werktäglich sein Postfach zu prüfen (AGB I.6.3)
    Klasse, das muss ich also auch im Urlaub tun, selbst im tiefsten Hinterland von Afrika. Könnte ja was wichtiges per Mail kommen, etwa eine Kündigung. Werde also sofort einen Mobilvertrag machen, mit dem ich täglich online gehen kann. Auch in Afrika. Roaming-Kosten? Wen inmteressiert das? Urlaub? Wen interessiert das. Die Post jedenfalls nicht. Ist der Samstag eigentlich ein Werktag? Kommt darauf an, sagt das BGH bekanntlich – mal ja, mal nein. Was meint die Post?
  • Wenn ich der Veröffentlichung meiner Adresse im Adressverzeichnis zustimme, dann darf die Post meine Daten weitergeben (IV.4.2)
    Toll, die Post darf also auch munter Geschäfte machen mit meinen Daten. Aufgrund der Anmeldung kennen die so ziemlich alles, meine Mail-Adresse, meine Hausanschrift, meinen Personalausweis (Postident!). Da werden demnächst jede Menge Werbezusendungen nicht nur meinen Hausbriefkasten, sonden auch mein Mail-Postfach verstopfen. Und bin ich am Verkauf irgendwie beteiligt? Natürlich nicht. Nur die Post verdient..
  • Der e-Brief ist völlig vertraulich – solange Polizei und Co. ihn nicht lesen wollen. Und das geht ohne jedes Gericht (IV.9.3)
    Klasse: epost ist also so sicher und so vertraulich wie eine Postkarte. Irgendwie hatte ich das anders gehört in der Werbung. Sicher ist epost, vertraulich ist vertraulich. Von wegen.
  • Löschen heißt nicht löschen. Jedenfalls nicht sofort. Und wenn doch, fragt sich wann (IV.2.5)
    Ich kann also nach Herzenslust meine Mails löschen. Ätsch, sagt die Post, wir haben aber doch noch eine Kopie davon, und die löschen wir erst, wenn wir meinen, sie löschen zu können. Wann das ist, hängt vielleicht vom Alkoholpegel des Bearbeiters ab – wir verraten jedenfalls nicht in den AGB, wann die Mail gelöscht werden. Wer weiß, vielleicht könnte man ja noch eine Mail nach Jahren vor Gericht verwenden…

Ja, nun bin ich völlig überzeugt – epost ist sicher, zuverlässig, vertraulich – und überflüssig. Mag doch mein Namensvetter demnächst meine epost-Mailadresse verwenden. Ich verzichte jedenfalls jetzt und für die nahe Zukunft auf die Zusammenarbeit mit der Post – jedenfalls solange solche AGB vorhanden sind, die ich für rechtlich äußerst bedenklich halte.Postidentverfahren für epost? Nein, Post, darauf könnt ihr lange warten und mir noch tausende Briefe senden, um mich daran zu erinnern. Spart euch das Geld dafür, und investiert lieber in ein sicheres und vertrauenswürdiges System. Danke an Richard Gutjahr für seine Recherche!

Ich bin ich gespannt, ob und wie viele Briefe ich in diesem Zusamenhang von der Post noch bekomme – ich werde darüber berichten. Bis dahin kann und will ich einfach nur davor warnen, den Dienst der Post zu beantragen.

Oje! Wobei mir da auch noch einfällt: Meine Daten haben die Postler ja schon, sogar meine Handy-Nummer haben die auch schon  – denn die braucht man für einen Code, der per SMS zugeschickt wird. Gut dass ich Prepaid nutze – ich werde mir schnellstmöglich eine neue Nummer zulegen…

Das Postgeheimnis gab es mal – irgendwann in ferner Vergangenheit, vielleicht als Twix noch Raider hieß…

Link 1: Der epost-Brief als Satire

Link 2: AGB epost-Brief

Link 3: Richard Gutjahr: Der epost-Brief unter der Lupe

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Elmar FriebeDas ist ein Beitrag von: Elmar Friebe

Ausgebildet als Lehrer mit Zweitem Staatsexamen war ich in den 80er-Jahren von einem bundesweiten Einstellungsstopp betroffen. So landete ich Ende der 80-Jahre bei einem Computer-Magazin und bin seitdem als IT-Journalist tätig - und bereue es in keinster Weise. Dieser Blog ist eine rein private Webseite - und ich freue mich immer über interessante, positive oder kritische Kommentare zu den Beiträgen. Zu finden bin ich auch bei Google+ und bei Facebook.

  • Website: http://www.digiversum.de


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