Die Strahlemann-Fassade bröckelt: Guttenberg findet kein Wort der Entschuldigung

18.2.2011: Die Fassade des souveränen Strahlemanns und politischen Überfliegers scheint kräftig zu bröckeln. Anders ist der heutige PR-Lapsus, denn sich Guttenberg heute mit seiner Medienansprache leistete, kaum zu erklären. Erbärmlich dabei: Noch immer findet Guttenberg kein einziges Wort der Entschuldigung, sondern schiebt alles auf seine angebliche Belastung durch Politik und Familie. Na, da muss er ja wirklich ein Wunderknabe sein, wenn er seine Dissertation neben all seinen Ämtern und Aufgaben allein zu Papier gebracht hat. Da muss es doch geradezu erholsam gewesen sein, wenn man mal ein paar Worte nicht selbst schreiben musste, sondern einfach nur übernnehmen konnte. Vermutlich hat dann gerade ein Kind abgelenkt, als die betreffende Fußnote hätte geschrieben werden müssen… Klar – und glaubwürdig…

Das wörtliche Übernehmen von Sätzen aus einem Zeitungsbericht als Einleitung – also im Grunde das, was man als eine der ersten Seiten zu Papier bringt – und ohne Zitierung der Quelle als „Fehler“ zu bezeichnen, ist nicht nur unglaubwürdig, sondern einfach nur lächerlich. Merkt Guttenberg eigentlich gar nicht, wie er sich auch mit seinen heutigen Aussagen immer tiefer in die Bredoullie reitet (ich hätte fast ein eher exkrementales Wort verwendet, konnte mich aber gerade noch bremsen…)? Bei der heutigen Tagesschau kann man ja gleich im ersten Beitrag sehen und hören, was Guttenberg da von sich gegeben hat.

Wie sagte er: „…in mühevollster Kleinarbeit…“. Ja, das ist wirklich mühsam, Copy & Paste zu machen. Mühsam war es vielleicht, eine geeignete Quelle zu finden, der Rest dauert ein paar Sekunden. Für die Einleitung – also die ganz persönliche Begründung für alles Nachfolgende…

Interessanterweise haben sich eine ganze Menge „Fehler“ in seiner Doktor-Arbeit angehäuft. Erschreckend, was all die freiwilligen Mitarbeiter bei der anonymen Plattform „guttenplag wiki“ bereits bis heute Abend an geklauten Textstellen in Guttenbergs Dissertation herausgefunden haben.

Und dann sein Lapsus, den Meedia.de gar als „Eklat“ betitelt: Während die meisten Journalisten auf der Bundespressekonferenz weilten, gab Guttenberg sein Interview vor zufällig anwesenden oder vielleicht auch ausgewählten Kamerateams am Verteidigungsministerium. Böser Fehler, Herr Verteidigungsminister, das bringt viele Pressevertreter endgültig gegen Sie auf und führt sogar zu Extrasendungen im Fernsehen…

Praktischerweise verzichtet übrigens, wie ich gelesen habe, die Uni Bayreuth, an der Guttenberg seine „Dissertation“ abgegeben hat, auf eine sonst übliche eidestattliche Erklärung, wie ich sie noch für meine Hausarbeit angeben musste. Somit geht eine entsprechende Strafanzeige, wie sie wohl schon eingegangen ist, ins Leere, wie heute bei MDR.de nachzulesen ist.

Mal sehen, wie die Uni nun mit diesem Vorfall umgeht… Seinen Doktor-Titel will Guttenberg ja derzeit nicht führen… Naja, statt „summe com laude“ müsste es heute eigentlich heißen „sine excusatio“… Und um Cicero etwas abgewandelt, aber durchaus pasend zu zitieren: „Quousque tandem abutere, Guttenberg, patientia nostra?“ – „Wie lange noch, Guttenberg, wirst du unsere Geduld missbrauchen?“.

Inzwischen gibt es ja wirklich amüsante Randgeschichten um die Doktor-Affäre. Da wird aus Guttenberg plötzlich ein „Dr. Googleberg“, bei eBay hat die „speziell plagiierte Gittenberg Tastatur“ immerhin schon eine Angebotshöhe von 3 Euro erreicht (Stand 18.2. umd 22:30 Uhr), und weitere Beispiele sind hier bei Meedia.de zusammengestellt…

Interessant zu verfolgen sind die verschiedenen Stellungnahmen von CDU/CSU und der Opposition. Beide Lager sind sich in einem einig: Das Regierungslager steht wie nicht anders zu erwarten geschlossen hinter Guttenberg (treten die auch geschlossen zurück, falls Guttenberg scheitert? Schön wär’s…), für die Opposition ist diese Affäre eine willkommene Munition.

Um das Wort „erbärmlich“ noch einmal aufzugreifen: Wenn Kanzlerin Merkel angesichts der inzwischen ja wohl durchaus nachweisbaren Plagiate weiterhin das Bedauern Guttenbergs mit dem Hinweis auf  „Fehler“ akzeptiert und dabei beharrt, dass sie seinen „offensiven Umgang“ mit der Affäre lobt, dann sieht sie solche Plagiate wohl eher als Kavaliersdelikt an – und das ist wirklich erbärmlich. Interessant am Rande, was man da bei Wikipedia zum Thema Merkels Dissertation liest. Ich zitiere aus der angegebenen Quelle und vergesse nicht, diese zu erwähnen (die wiederum auf andere Quellen per Fußnoten verweist) – gefettete Hervorhebung von mir):

„Am 8. Januar 1986 reichte sie ihre Dissertation ein, deren Titel lautete Untersuchung des Mechanismus von Zerfallsreaktionen mit einfachem Bindungsbruch und Berechnung ihrer Geschwindigkeitskonstanten auf der Grundlage quantenchemischer und statistischer Methoden. Nach der damaligen Promotionsordnung musste dem Antrag auf Promotion der Nachweis beigefügt werden, dass die während des Studiums erworbenen Kenntnisse des Marxismus-Leninismus („ML“) wesentlich vertieft und erweitert worden waren. Meist geschah dies in Form einer schriftlichen Arbeit. Merkels Arbeit gilt als verschollen. Das deutsche Wochenmagazin Der Spiegel erstritt sich gerichtlich Auskunft aus der Promotionsakte Merkels und berichtete Anfang 2010, sie habe 1983 nach dreijähriger „marxistisch-leninistischer Weiterbildung“ nur ein genügend (rite) und 1986 auf Grund ihrer Abschlussarbeit in Marxismus-Leninismus in diesem Fach ebenfalls nur genügend erhalten. Für ihre physikalischen Forschungen dagegen habe sie die Note sehr gut bekommen.“

Blickt man ein wenig zurück, dann muss man  zum Beispiel die Ablösung des Kommandanten der Gorch Fock (siehe Bericht der Tagesschau) völlig neu beurteilen: Erst erwartet Guttenberg im Parlament Zurückhaltung, dann sorgt er noch am gleichen Abend für die Ablösung, wie ich bereits in einem Beitrag über Guttenbergs schwache Führungskompetenz berichtet habe. Da fragt man sich schon, nach welchen Maßstäben Guttenberg andere und sich selbst behandelt wissen will. Der Name Schneiderhan im Zusammenhang mit der Kundus-Affäre darf in diesem Zusammenhang natürlich auch nicht fehlen…

Fazit: Ich denke, dass ich nach all den Vorfällen mit meiner frühen Einschätzung der Inkompetenz von Guttenberg und des Blendertums vielleicht nicht ganz falsch liege, Und daran kann auch die aktuelle Unterstützungsseite auf Facebook nichts ändern…

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Elmar FriebeDas ist ein Beitrag von:

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