Big Brother beobachtet nicht nur, sondern lauscht auch heimlich: Google gibt unerlaubte Speicherung von WLAN-Daten zu

Google und das Projekt Streetview sorgt schon sein langem für Diskussionen unter Datenschützern, Google-Gegnern und Google-Befürwortern. Nach all der Faszination, die etwa Google Maps und vor allem Google Earth ausgelöst hatte, schien Streetview doch nur eine logische Fortsetzung. Zumal es ja in Deutschland bereits einige Zugeständnisse gab, etwa dass die Städte und Gemeinden, in denen Streetview-Fahrzeuge unterwegs sein würden, im Vorfeld darüber informiert werden sollten. Zudem sollen ja aufgrund zahlreicher Proteste von Datenschützern nachträglich Anynomisierungen etwa von Gesichtern oder Autokennzeichen erfolgen, wie schon vor zwei Jahren berichtet wurde. Was, wie allerdings viele Beispiele anschließend belegen, nur wenig überzeugend gelang – hier ein Beispiel von Focus Online.

Was Google aber zum Beispiel im Vorfeld nicht verriet, war, dass auch gleichzeitig von den Streetview-Fahrzeugen WLAN-Standorte erfasst und gesammelt werden sollten. Dass die Fahrzeuge dazu technisch ausgestattet waren, hat Google nie mitgeteilt, es kam erst im April 2010 heraus, was auch bei Tagesschau.de am 22. April 2010 entsprechend thematisiert wurde.

Der Aufruhr gerade von Datenschützern schien ziemlich übertrieben, denn das Erfassen von WLAN-Standorten ist schon seit langer Zeit Praxis und wurde auch nie in dem Maße kritisiert. Ein Beispiel etwa ist Skyhook. In einem nettten Film wird genau erklärt, wie es funktioniert. Ein anderes  Beispiel ist Apple und das iPhone: Denn mittels WLAN oder besser WiFi ist es möglich, die Daten für eine recht genaue Navigation oder das Finden des eigenen Standortes zu ermöglichen, wie etwa im ersten iPhone zu erleben war – auch ohne ein sonst übliches GPS-Modul. Insofern eine durchaus brauchbare Vorgehensweise und noch kein Grund, sich gegen Google so zu echauffieren. Entsprechend gab es auch Kommentare, die den Kritikern „Scheinheiligkeit“ vorwarfen, etwa bei Netzwelt.de am 23. April 2010.

Zwischenzeitlich gab es am 12. Mai 2010 ein Urteil des BGH, das auch private Betreiber eines WLANs verpflichtet, es abzusichern – ich habe bereits darüber berichtet. Das passt insofern ins Geschehen, als Google durch hartnäckiges Nachfragen des Hamburger Datenschutzbeauftragen Caspar heute zugestehen musste, dass nicht nur die WLAN-Standorte erfasst wurden, sondern sogar von ungesicherten WLANs Inhalte etwa von E-Mails abgehört und gespeichert wurden: siehe Bericht bei Tageschau.de.

Natürlich, so ein Google-Sprecher, habe man davon nichts gewusst und nennt einen Software-Fehler als Ursache. Eine solche Speicherung von Daten werde künftig gestoppt.

Soweit die bekannten Fakten. Jetzt bleiben aber ein paar durchaus diskussionswürdige Fragen:

– Rückt Google mit solchen Antworten immer nur dann heraus, wenn die Firma eh bei etwas ertappt ist?

– Streetview-Fahrzeuge sind ja nicht nur in Deutschland unterwegs, und das seit langem. Wurden also schon längere Zeit und in anderen Ländern solche privaten Daten erfasst und gespeichert? In dem Fall wäre auch die EU in der Verantwortung.

– Könnte ein Urteil des Amtsgerichts Wuppertal von 2007 (siehe hier) zu einem Präzendenzfall werden? Immerhin lassen die heutigen Erkenntnisse ja in der Tat Verstöße gegen das Tekommunikationsgesetz (etwa §89) vermuten, mit entprechenden Sanktionen, die in §148 eher dürftig ausfallen und auch im Bundesdatenschutzgesetz in §44 nicht viel mehr aussagen. Peanuts, um es mal mit einem bekannten Ausdruck zu bezeichnen, für Google…

Auf einen entsprechendenneuen Kommentar bei Netzwelt.de zum Thema Scheinheiligkeit bin ich jedenfalls nun gespannt.

– Sollte Google’s Motto „Don’t be evil“ vielleicht unbenannt werden in „Don’t get caught“?

Für alle, die übrigens Widerspruch bei Google gegen Streetwiew einlegen wollen, hier ein sehr guter Hinweis über die dazu notwendige Vorgehensweise im Datenschutz-Blog.

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Elmar FriebeDas ist ein Beitrag von: Elmar Friebe

Ausgebildet als Lehrer mit Zweitem Staatsexamen war ich in den 80er-Jahren von einem bundesweiten Einstellungsstopp betroffen. So landete ich Ende der 80-Jahre bei einem Computer-Magazin und bin seitdem als IT-Journalist tätig - und bereue es in keinster Weise. Dieser Blog ist eine rein private Webseite - und ich freue mich immer über interessante, positive oder kritische Kommentare zu den Beiträgen. Zu finden bin ich auch bei Google+ und bei Facebook.

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